von unserem Redaktionsmitglied 
Marco Meissner

Kronach — Wer im Frankenwald von Integration spricht, der kommt an der Volkshochschule (VHS) Kreis Kronach nicht vorbei. Viele Angebote dieser Bildungseinrichtung sorgen dafür, dass sich Ausländer hierzulande zurechtfinden, aber auch dass sich Kronacher in der Fremde verständigen können. Während Sprachkurse, politische Seminare oder kulturelle Programme weithin bekannt sind, werden manche Aktivitäten öffentlich kaum wahrgenommen, die zu einem Zusammenwachsen Europas einen Beitrag leisten.
Der Leiter der VHS, Heinz Tischler, ist seit 37 Jahren in der Erwachsenenbildung tätig und mittlerweile im 29. Jahr an der VHS in Kronach. Dass der Landkreis bayernweit in Sachen Digitale Medien, Firmenangebote und nicht zuletzt Europäisierung ein äußerst gutes Bild abgibt, steht für ihn außer Frage. Dazu hat auch die VHS beigetragen, die am Wochenende ihr Frühjahr/Sommer-Programm veröffentlichen wird.
Aus den Aktivitäten, welche die VHS begleitet, organisiert und durchgeführt hat, sind über die Jahre Schulpartnerschaften und gegenseitige kommunale Informationsbesuche erwachsen. "Wir hatten 60 Gäste aus Zypern zur Fortbildung da", erinnert sich Tischler an ein einschneidendes Ereignis im Jahr 2011, das von der Bevölkerung aber kaum zur Kenntnis genommen worden sei. "Es ging um Themen wie Wasser, Abwasser, Müllentsorgung oder regenerative Energien." Aus diesem Kontakt sei inzwischen viel mehr geworden. So habe es 2013 einen Gegenbesuch gegeben; für 2015/2016 stehe eine Kooperation der Berufsschule mit Zypern auf der Agenda. Außerdem sei für dieses und nächstes Jahr eine Zusammenarbeit des Bayerischen Berufsschullehrerverbandes mit Estland geplant, wobei die Volkshochschule wieder ein Anlaufpunkt sein werde.
"Der soziale Bereich der VHS wird oft unterschätzt", erklärt Tischler. Dabei weist er jedoch nicht nur auf Projekte zur Integration und Europäisierung hin. Er geht auch auf Angebote zur beruflichen Bildung, zur Schülerbetreuung, zur Vernetzung oder zur Bildungsberatung ein. Daneben sei man mit dem breit gefächerten "klassischen" VHS-Programm gut aufgestellt. Und diese Stärken brauche es auch.

Rosinenpickerei vermeiden

"Unsere Gesellschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen", geht Tischler unter anderem auf die demografische Entwicklung ein. "Eine erhöhte Investition in Schulbildung allein kann keine Lösung sein. Ein Drittel der Bevölkerung ist über 50 Jahre alt, soll mindestens noch weitere 15 Jahre arbeiten, wird noch jahrzehntelang wählen, Enkelkinder betreuen und Pflegeaufgaben übernehmen." Die "Skills for life" (Lebensfertigkeiten) müssten deshalb erhalten, gefestigt, entwickelt oder sogar neu erworben werden. Dafür werde ein leistungsfähiges, institutionalisiertes Weiterbildungsangebot benötigt. Hierfür brauche es verlässliche Partner wie die VHS und keine "Rosinenpickerei" durch privatwirtschaftliche Anbieter.
Damit die VHS Kreis Kronach ihre Stärken wahren und ausbauen kann, wünscht sie sich die baldige Generalsanierung ihres Gebäudes. "Wir sind bei der Bearbeitung des Finanzkonzeptes", erläutert Hauptamtsleiter Stefan Wicklein von der Stadt Kronach den Stand der Dinge. Es seien noch einige Fragen der Regierung von Oberfranken zur Förderung offen. Wenn diese geklärt seien, solle darauf basierend zeitnah ein Förderkon strukt aufgebaut werden.