Allein die Verlesung der zahlreichen Anklagepunkte dauerte etwa 20 Minuten. Nachdem drei Stunden verhandelt und 13 Zeugen gehört waren, ließ das Amtsgericht Haßfurt in dem Strafprozess etliche Anklagepunkte fallen.

Übrig blieben einige Diebstähle, eine Sachbeschädigung mit Hausfriedensbruch sowie eine massive Straßenverkehrsgefährdung. Aufgrund mehrfacher einschlägiger Vorstrafen und wegen einer laufenden offenen Bewährung gab es für den Angeklagten (38 Jahre) im Namen des Volkes eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten - ohne erneute "letzte Chance" (also ohne Bewährung).

Bei der ganzen Latte von Delikten war die Straßenverkehrsgefährdung wohl am gravierendsten. Dabei handelte es sich um einen Vorfall, der sich vor fast genau einem Jahr - am 20. Januar 2014 - abends kurz vor 22 Uhr auf der B 26 abspielte. Damals fuhr ein Streifenwagen der Polizei von Ebelsbach Richtung Zeil. Plötzlich kam den Beamten frontal ein Pkw entgegen - wie ein Geisterfahrer auf der falschen Fahrbahn.

Nur dank der Tatsache, dass der Polizist geistesgegenwärtig auf den äußersten rechten Randstreifen auswich, kam es zu keinem Frontalzusammenstoß. Nach dem Fast-Crash wendete der Streifenwagen und nahm mit Blaulicht die Verfolgung auf. Der Angeklagte, der am Steuer des verfolgten Wagens saß, dachte gar nicht daran, anzuhalten. In falscher Richtung fuhr er in den Ebelsbacher Kreisel und versuchte, seine Verfolger abzuschütteln.

Alkohol und Drogeneinfluss

Auf einem Acker endete die Verfolgungsjagd. Eine Blutprobe ergab einen Wert von 1,5 Promille. Zudem stand der Fahrer unter Drogeneinfluss mit Amphetamin. Eine Fahrerlaubnis war nicht vorhanden. Als die ganze Anspannung vorüber war, erlitt die Polizistin, die auf dem Beifahrersitz mitgefahren war, einen Nervenzusammenbruch mit Weinkrämpfen. Auch nach einem Jahr reagierte sie im Zeugenstand emotional sehr betroffen über das verantwortungslose Verhalten des Mannes.

Schockierend hörte sich auch das an, was sich am Abend des 17. August vergangenen Jahres in der Nähe des Radweges am Tränkberg in Haßfurt abspielte. Passanten alarmierten die Polizei, weil der Mann wie leblos im Gras neben seinem Fahrrad lag. Mit Mühe brachte man ihn zur Polizeiinspektion und entnahm eine Blutprobe. Die zeigte den lebensbedrohlichen Wert von 3,2 Promille. Nur weil man ihm nicht nachweisen konnte, in diesem Zustand geradelt zu sein, stellten die Juristen diesen Anklagepunkt ein.

Bei den Diebstählen handelte es sich um einen Laptop sowie um zwei Flaschen Wodka, bei der Sachbeschädigung um eine eingetretene Wohnungstür. Angesichts von elf Vorstrafen sprach die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer von einem "kleinkriminellen Serientäter und Bewährungsversager." Sie forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten.

Führerscheinsperre

Rechtsanwalt Hans Andree betonte, dass die Diebstähle als Beschaffungskriminalität seines drogenabhängigen Klienten zu werten seien. Der Verteidiger sah seinen Klienten aufgrund einer Entgiftung auf einem guten Weg und beantragte eine Bewährungsstrafe. In ihrer Urteilsbegründung sprach Strafrichterin Ilona Conver von einer "nicht alltäglichen Ansammlung von Straftaten." Zusätzlich zur Freiheitsstrafe ordnete sie eine Führerscheinsperre von zweieinhalb Jahren an. Ob der Verurteilte gegen den Richterspruch Rechtsmittel einlegt, blieb offen.