Untersteinach — Mit einem Brandgottesdienst wird heute um 12 Uhr in der St.-Oswald-Kirche an das verheerende Feuer erinnert, das am 10. August 1706 in Untersteinach wütete.
Es war ein Dienstag. Das Dorf war zur Mittagszeit fast menschenleer, alle Hände wurde auf den Feldern benötigt, um bei drückender Hitze den reichen Erntesegen einzubringen. Da läuteten auf einmal die Kirchenglocken Sturm. Schreckensbleich und "Feuer" rufend kamen Boten aufs Feld gerannt.
Das Bamberger Archiv berichtet, dass Knaben Pulver gefunden hatten und damit ohne Aufsicht in einer Scheune spielten. Mit einer Schlüsselbüchse schossen sie ins dürre Reisig - und sofort fingen das Heu und die erst eingebrachte Ernte Feuer. In ganz kurzer Zeit stand der ganze Stadel in Flammen.
Durch den Wind begünstigt, flogen die Funken von Scheune zu Scheune und Hausdach zu Hausdach. Die Bauern ließen auf den Feldern alles liegen und stehen. Aber bis sie heimkamen, stand schon fast das ganz Dorf in hellen Flammen. Es konnte fast nichts mehr gerettet werden. Alle Bauernhöfe, das Pfarr- und Schulhaus brannten bis auf die Grundmauern nieder. Auch der Kirchturm und das Kirchendach wurden ein Raub der Flammen. Die Glocken fielen dröhnend in die Tiefe. Nur das Kirchenschiff und zwei Häuser konnten erhalten werden. Aus einem blühenden Dorf war bis zum Abend ein rauchender Trümmerhaufen geworden. Die meisten Bewohner, unter ihnen auch Pfarrer Albrecht Arnold, fanden in Kauerndorf und benachbarten Dörfern Zuflucht.
Vier Menschenleben forderte der Brand, auch ein dreijähriges Kind starb. Der Wiederaufbau dauerte über 40 Jahre. Eine Gastwirtin mit mehreren Kindern stiftete zum Gotteshaus 30 Gulden, mit der Bedingung, dass am Sonntag, 10. August 1749, anstatt der herkömmlichen Lesung Jerusalems ein Buß- und Dankgottesdienst stattfinden soll. Seitdem ist alljährlich am 10. August der "Untersteinacher Brandgottesdienst" gefeiert worden. Nur einmal, im Jahre 1932, fiel er wegen einer schwerwiegenden Erkrankung des Pfarrers aus. Ein Unbekannter legte an jenem 10. August an zwei Stellen des Dorfes in der Nacht Feuer. Sieben Anwesen brannten. Ungeheurer Schaden war zu beklagen.
Den heutigen Brandgottesdienst hält Pfarrer Martin Fleischmann. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen. wo