von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Kloster Banz — Für über 20 Jahre ehrenamtliches Engagement im Prüfungswesen der beruflichen Bildung ehrte die IHK für Oberfranken Bayreuth 45 Prüferinnen und Prüfer bei einer Feierstunde auf Kloster Banz.
IHK-Hauptgeschäftsführerin Christi Degen würdigte den hohen Stellenwert des ehrenamtlichen Engagements. "Völlig ohne Gegenleistung, nur zum Wohl der Sache, haben Sie sich auf ihren Spezialgebiet für die Qualifizierung junger Menschen engagiert", sagte sie.
Allein im Jahr 2014 haben bei der IHK für Oberfranken Bayreuth rund 6600 Zwischen- und Abschlussprüfungen in der Ausbildung stattgefunden und weitere 1964 in der Weiterbildung. Dafür waren rund 2366 Prüfer im Einsatz. Zahlen, die deutlich machten, dass das Prüfungswesen ohne Ehrenamt nicht zu bewältigen sei. Dabei sei die Tätigkeit eines Prüfers nicht einfach. "Zum einen muss man die Materie beherrschen, und zwar viel besser als der beste Prüfling. Und zum Zweiten braucht man Menschenkenntnis, Unabhängigkeit und viel Verantwortungsgefühl", unterstrich die Hauptgeschäftsführerin.


Schlüsselthema der Region

IHK-Präsident Heribert Trunk lobte das ehrenamtliche Engagement der Prüfer, ohne das enorme Kosten entstehen würden. "Das Know-how der Praktiker ist unbezahlbar", sagte er. Die Fachkräftesicherung bezeichnete Trunk als das Schlüsselthema für die Zukunftssicherung der Region. Viele Unternehmen hätten dies bereits verinnerlicht und umfangreiche Maßnahmen durchgeführt. Sonst wäre die aktuelle Fachkräftelücke (laut IHK-Fachkräftemonitor liegt sie bei 14 000) noch viel höher. Trunk wies auch auf die niedrige Jugendarbeitslosenquote hin, die in Oberfranken bei 4,4 Prozent liege. Im Vergleich dazu sind in Griechenland 51 Prozent und in Spanien 49 Prozent der jungen Leute ohne Arbeit. "Wir reden in diesen Ländern von einer verlorenen Generation", sagte Trunk. Noch härter treffe es die Menschen in Ländern wie Syrien oder dem Irak, die ihre Heimat verloren haben. Eine Herausforderung, bei der auch die EU gefordert sei. Darüber hinaus könne Oberfranken auch von den Flüchtlingen profitieren, da hierzulande Fachkräfte und Auszubildende fehlen.
Wie Hauptgeschäftsführerin Christi Degen erläuterte, wären in Oberfranken zum Beginn des Ausbildungsjahres viele Ausbildungsstellen noch unbesetzt. Stellen, für die es aufgrund des demografischen Wandels immer weniger Bewerber gäbe. Gleichzeitig seien rund 25 Prozent der Asylbewerber zwischen 16 und 25 Jahre alt. Aktuell absolvieren in den Mitgliedsunternehmen der IHK 20 Flüchtlinge eine Ausbildung. Darüber hinaus haben sich oberfrankenweit schon mehr als 45 Unternehmen gemeldet, die gerne Praktikums- und später auch Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen möchten.
Aus dem IHK-Bezirk Lichtenfels erhielt Lucie Wissel, Lehrkraft an der Staatlichen Berufsschule Lichtenfels, eine Auszeichnung. Die 53-Jährige vertritt im Prüfungsausschuss den Ausbildungsberuf Kauffrau/-mann für Büromanagement. Hielten sich hier vor rund 20 Jahren noch Hauptschüler mit Quali und Absolventen weiterführender Schulen die Waage, seien heute kaum noch Auszubildende ohne mittleren Bildungsabschluss vertreten. Lucie Wissel macht dafür die gestiegenen Anforderungen an den Beruf verantwortlich. "Die Auszubildenden müssen heute immer mehr die Informationstechnologien beherrschen. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Auszubildende noch Brotzeit holen mussten. Heute ersetzen sie vielfach schon Fachkräfte", erläutert Wissel. Auch das Alter der Schüler sei breiter gefächert. Da immer mehr Umschüler in der Schulbank säßen, reiche die Altersspanne von 16 bis über 40 Jahre.