Maroldsweisach/Bad Kissingen — Die hausärztliche Versorgung auf dem Land ist einer der Arbeitsschwerpunkte der Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar, die selbst eine lange Berufserfahrung als Landärztin in einer Praxis in Maßbach hat. Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft 60plus der SPD im Unterbezirk Rhön-Hassberge (er umfasst die Landkreise Bad Kissingen, Hassberge und Rhön-Grabfeld) referierte sie dazu in der Brauerei-Gaststätte Hartleb in Maroldsweisach.

Probleme auf dem Land

Unter den zahlreichen Gästen konnte Unterbezirksvorsitzender August Werner auch fast den kompletten Bezirksvorstand der AG 60plus mit Peter Dlugosch an der Spitze begrüßen.
"Ob in zehn bis 15 Jahren die ärztliche Versorgung noch so ist, wie wir sie kennen, bleibt abzuwarten" betonte Sabine Dittmar gleich zu Anfang. Auch die Apotheken vor Ort seien sehr wichtig, sie kämpften gegen das Internet.
Im Jahr 1993 sei, um gegen eine drohende "Ärzteschwemme" anzugehen, eine Bedarfsplanung eingeführt worden. Heute würden Praxen aus Altersgründen oder aber weil es an manchen Orten, meist in Städten, eine Überversorgung gebe, schließen.
In den meisten Landkreisen gebe es, großräumig gesehen, auf dem Papier genügend Ärzte. Auf 1617 Einwohner sollte ein Hausarzt entfallen. Für eine vernünftige Planung müsse man allerdings manche Landkreise aufteilen, im Landkreis Rhön-Grabfeld zum Beispiel die bislang unterversorgte Rhön abtrennen. Viele Planungsbezirke müssten kleiner werden, um eine bessere Verteilung der Praxen auf die Gemeinden und damit auch die Patienten zu gewährleisten.
Der Abbau von Überversorgung in manchen Städten sei ein "unangenehmes Thema", ließe sich durch den Aufkauf von Praxen aber regeln.

Ärzte falsch verteilt

Laut einem Gutachten seien die Ärzte zwischen Stadt und Land falsch verteilt. Dazu komme, dass nur 40 Prozent von ihnen Allgemeinmediziner seien, 60 Prozent dagegen Fachärzte. Während ihrer Ausbildung kämen die jungen Mediziner zu wenig und zu spät mit der Allgemeinmedizin in Berührung. Erst jetzt sei an der Universität in Würzburg ein Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingerichtet worden. Wichtig für Abiturienten, die Medizin studieren wollen, seien nicht nur Noten und Numerus Clausus, sondern auch soziale Kompetenz.

Teamarbeit gefragt

Sehr viele junge Ärzte wollten heute nicht mehr als Einzelkämpfer arbeiten, sondern in Teamarbeit. Sie wollten als Angestellte oder in Teilzeit arbeiten mit Ansprüchen an Familie und an Freizeit. Dies müsste man für die Zukunft der ärztlichen Versorgung berücksichtigen. Dazu gebe es "viele gute Ideen, aber auch viele Widerstände von unten". mdb