von unserem Mitarbeiter 
Stephan Herbert Fuchs

Himmelkron — Auch wenn die Ukraine weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden ist, sterben dort fast täglich Menschen. Auf die Suche nach Lösungen machte sich der oberfränkische Reservistenverband bei einem sicherheitspolitischen Tagesseminar in Himmelkron.
Prominenter Gast war dabei der Bayreuther Bundestagsabgeordnete und Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk (CSU). Der Politiker hatte bereits in vielfältigen Funktionen die Ukraine besucht. "Die Annexion der Krim bleibt eindeutig völkerrechtswidrig", sagte er.
In einem ganz großen Teil der Ukraine habe Russland sein Ansehen auf lange Zeit verspielt. Die Menschen dort forderten "mehr Europa" und nicht "mehr Putin". Die derzeitige Lage erinnere fast ein wenig an die junge Bundesrepublik, als es eine sowjetische Besatzungszone gab. Oberstes Ziel sollte eine politische Entspannung sein. Diskussionen um eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union führten dabei nicht weiter.
Koschyk plädierte trotz der Krim-Annexion für einen breit angelegten Dialog mit Russland. Eine militärische Lösung schloss der Abgeordnete dabei rigoros aus: "Der Konflikt ist nicht gegen, sondern nur mit Russland zu lösen", sagte er, und: "Jegliche Rückeroberungsfantasien sind völlig illusorisch."


Zivilbevölkerung leidet

Koschyk stellte auch klar, dass Moskau seine militärischen Ziele trotz des desolaten Zustandes der ukrainischen Armee nur begrenzt erreicht habe. Putin werde weiter militärische Einheiten in den Donbass schicken, um nicht sein Gesicht zu verlieren. Leidtragend sei dabei die gesamte Zivilbevölkerung.
Zur inneren Stabilisierung der Ukraine gehört nach den Worten Koschyks auch eine zeitgemäße Regelung für die Fragen nationaler Minderheiten und ihrer Sprachen. So lebten in der Ukraine auch 400 000 Rumänen, 358 000 Tartaren, 157 000 Ungarn und 33 000 Deutsche.


Kein "Club der alten Herren"

Bei dem sicherheitspolitischen Seminar hatte der Vorsitzende für Oberfranken-West, Philipp Mahr, zuvor für 2016 eine groß angelegte Mitgliederwerbeaktion angekündigt. Ziel sei es, die Mitgliederzahl von derzeit bundesweit rund 112 000 bis Juli um satte 30 Prozent auf 150 000 zu steigern. "Es geht leider immer mehr zurück, diesen Trend müssen wir aufhalten", sagte Mahr. Sollten es die Reservisten nicht schaffen, ihre Mitgliederzahlen wieder zu steigern, würden sie als Verband unbedeutend. "Wir dürfen nicht zum Club der alten Herren werden."