Coburg — Auch wenn es momentan etwas stiller geworden ist um die Finanzmisere an der Ägäis, heißt das nicht, dass alles geklärt wäre. Allen Fragen zur Griechenland-Krise geht ein Vortrag nach, zu dem das Europe-Direct-Informationszentrum Coburg und die Stadtbücherei Coburg einladen. Unter dem Titel "Eine Frage des Vertrauens. Die Griechenlandkrise: Drama, Tragödie oder Never ending Story?" wird Sven Leunig, Politikwissenschaftler an der Uni Jena, am Donnerstag, 29. Oktober, ab 18.30 Uhr bei freiem Eintritt in der Stadtbücherei sprechen. Vorab hat er dem Tageblatt ein Interview gegeben.

Griechenland scheint momentan kein so heißes Thema mehr in Politik und Medien zu sein. Sind die Probleme also gelöst?
Sven Leunig: Nein, natürlich nicht. Die geringere Aufmerksamkeit liegt nur daran, dass das dritte Hilfspaket im Moment recht geräuschlos läuft. Das heißt, dass die griechische Regierung ihre Auflagen - im Wesentlichen Einsparungen und Privatisierungen - nach Ansicht der Gläubiger offenbar ordnungsgemäß erfüllt und dementsprechend auch die zugesagten Kredittranchen ausgezahlt werden. Die Frage, wie es der griechischen Regierung unter diesen Auflagen gelingen soll, die Wirtschaft des Landes zu stimulieren und die Menschen zu größerer Steuerehrlichkeit zu bewegen, bleibt natürlich völlig ungelöst.

Was passiert denn eigentlich gerade in Griechenland?
Wie gesagt, man ist dabei, die Auflagen der Gläubiger, also IWF, Euroländer und EZB, in Gesetze zu fassen. Das fängt beim Streichen der Steuererleichterungen für die Ägäis-Inseln an und hört bei erhöhten Bußgeldern für nicht eingehaltene Tüv-Termine auf - was gegenwärtig zu recht langen Schlangen vor den Tüv-Stellen führt...

Kann man schon absehen, wie es weitergeht?
Nun, man wird versuchen, mit all diesen Maßnahmen die Haushaltslage zu stabilisieren, was vordergründig sicherlich auch funktionieren kann, da die Ausgaben massiv gesenkt und Gebühren wie Steuern deutlich erhöht werden. Ob dies allerdings zu dauerhaftem Wachstum führt, muss wohl vorsichtig bezweifelt werden.

Sie haben intensiv recherchiert. Gab's dabei Überraschungen?
Durchaus. Die erste Überraschung war, dass die griechische Schuldensumme prozentual gesehen in den letzten fünf Jahren deutlich weniger stark gestiegen ist als etwa die Spaniens. Sie ist, nach einem "Knick" durch den begrenzten Schuldenschnitt 2012, sogar mehr oder weniger stabil geblieben. Welche weiteren Überraschungen sich bei meinen Recherchen noch ergeben haben, erkläre ich dann in meinem Vortrag am 29. Oktober in Coburg. red