von unserem Mitarbeiter Helmut Will

Haßfurt — Eigentlich wollte er nach einem Konzert, bei dem auch reichlich Alkohol genossen wurde, bei seinem Opa schlafen. Dann wollte er sich in sein Auto legen, um zu schlafen, aber schließlich startete er sein Auto doch, um von einem Ort im nördlichen Landkreis Haßberge nach Ebern zu fahren. Bei Eyrichshof fand die Fahrt ihr vorläufiges Ende, weil der 19-jährige Angeklagte mit seinem Pkw in den Straßengraben geriet.
1,71 Promille hatte der junge Mann im Blut, wie eine von der Polizei kurz nach dem Unfall veranlasste Blutentnahme zeigte. Vor dem Amtsgericht in Haßfurt gab es hierfür die Quittung. Richter Martin Kober verurteilte den Auszubildenden eines sozialen Berufes wie von Staatsanwalt Stephan Jäger beantragt zu 60 Tagessätzen zu je zehn Euro und zu einer Führerscheinsperre von noch acht Monaten. Seine Fahrerlaubnis musste der junge Mann bereits im Juli bei der Polizei abgeben, sodass er insgesamt etwa elf Monate "ohne" ist.
Sein Abkommen von der Fahrbahn mit seinem Pkw bei Eyrichshof erklärte der Angeklagte dem Gericht so: "Vielleicht hatte ich einen Sekundenschlaf, und ich weiß noch, dass mich am Unfallort auch jemand ansprach und mir gesagt wurde, dass ich doch getrunken hätte und nicht fahren sollte."


Mahnung nicht beachtet

Von der Mahnung der Zeugen, die nicht geladen waren, weil Rechtsanwalt Horst Soutschek dem Gericht mitgeteilt hatte, dass sein Mandant geständig sein werde, ließ sich der Angeklagte nicht abhalten, weiter nach Ebern in seine Wohnung zu fahren. Deshalb kam zu der bis dorthin fahrlässigen Trunkenheit im Verkehr noch eine vorsätzliche Trunkenheitsfahrt hinzu. "Es war eine blöde Situation, die der Fahrt vorausgegangen war, mir wurden durch das Strafverfahren die Augen geöffnet und ich bin froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. So was wird nicht mehr vorkommen", sagte der Angeklagte.
Kathrin Heidig von der Jugendgerichtshilfe führte aus, dass der Angeklagte mit dem Trinken von Alkohol erst nach einer Trennung von einer Freundin begonnen hätte. Er wolle sich auch den Konsequenzen, die aus der Trunkenheitsfahrt entstehen, stellen. Erwachsenenstrafrecht könne nach Meinung der Jugendgerichtshilfe zur Anwendung kommen. "Ich trinke nie mehr Alkohol, wenn ich fahre, und alles tut mir sehr leid", sagte der Angeklagte in seinem von Reue getragenen Schlusswort.
Staatsanwalt Stephan Jäger sagte in seinem Plädoyer, dass dem Angeklagten habe klar sein müssen, dass er nicht mehr hätte fahren dürfen. Auch dass er nach der Ansprache durch die Zeugen auf seinen Alkoholkonsum, nachdem er in den Straßengraben gefahren war, trotzdem weiterfuhr, wäre straferschwerend. Er beantrage 60 Tagessätze zu je zehn Euro (600 Euro) und noch neun Monate Führerscheinentzug.
Rechtsanwalt Horst Soutschek hatte, wie er in seinem Plädoyer ausführte, erhofft, dass für seinen Mandanten Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt. Deshalb, und auch weil die Tagessätze wegen des geringen Einkommens seines Mandanten - er bezieht lediglich Bafög - zu hoch seien, wurde der Einspruch eingelegt, sagte der Verteidiger. 60 Tagessätze zu je sieben Euro und eine Führerscheinsperre von acht Monaten fände er für seinen Mandanten angemessen, sagte Soutschek.


"Einsichtig gezeigt"

Strafrichter Kober folgte dem Antrag des Staatsanwaltes und sprach einen Führerscheinentzug von noch acht Monaten aus, sodass der Verurteilte letztlich für elf Monate auf seinen Führerschein verzichten muss. "Sie haben sich heute einsichtig gezeigt, aber Ihnen muss klar sein, dass Sie einen großen Fehler gemacht haben", so der Richter.