Viele Coburger haben bei ihm Englisch gelernt und unter seinen Fittichen Sport getrieben: Raimund Stich. Der Gymasialprofessor, der von 1954 bis 1975 als Lehrer am Ernestinum tätig war, ist jetzt im Alter von 104 Jahren gestorben.
Raimund Stich wurde 1912 in Wien geboren, wo er 1931 die Matura ablegte und auch seine ersten Jahre als Lehrer verbrachte. 1940 kam er nach Coburg. Nach Kriegsende wirkte er zunächst vier Jahre an der Aufbauschule für Jungen und Mädchen, dem heutigen Gymnasium Alexandrinum, danach noch zwei Jahre an derselben Einrichtung, die nun Lehrerbildungsanstalt mit Aufbauschule und Deutscher Oberschule hieß. In dieser Zeit bewarb er sich um Aufnahme in den Bayerischen Staatsdienst. Diesem Wunsch wurde seitens des Ministeriums aber nicht entsprochen. Im Gegenteil: Sein Dienstverhältnis wurde zum 31. Januar 1951 mit der Begründung gekündigt, dass "seine Weiterverwendung im bayerischen Schuldienst bei der unter den einheimischen und heimatvertriebenen Lehrkräften herrschenden Arbeitslosigkeit nicht möglich ist".
Nach mehreren Eingaben und flehenden Bitten seitens des Direktorats der Lehrerbildungsanstalt wurde die Kündigung mehrfach verschoben und dann endgültig auf den 17. Juli 1951 festgesetzt. Nachdem aber Raimund Stich zwischenzeitlich seine Einbürgerungsurkunde erhalten hatte und damit seit dem 13. Juni 1951 deutscher Staatsbürger war, stand einer festen Anstellung als Lehrer in Bayern nichts mehr im Wege. Zum 1. September wurde er ans Ernestinum, die damalige Oberrealschule mit Knabenmittelschule, versetzt.
Seine ehemaligen Schüler beschreiben Raimund Stich als "quirlig, stets gut gelaunt, freundlich und hilfsbereit". "Wer das Glück hatte, Raimund Stich als Kollegen, Lehrer, Sportler oder Menschen in seiner unnachahmlichen Art kennen zu lernen, wird ihn nie vergessen", heißt es in einem Nachruf des Ernestinums.
Aber auch abseits der Schule machte er sich verdient: Er war Gründer des Basketballclubs, Jugendsportwart für Tennis, Lehrwart der Bayerischen Wasserwacht und Lehrwart des Coburger Alpenvereins. ct