Kreis Forchheim — Im zweiten Kriegsmonat des Ersten Weltkrieges sind die ersten Gefallenen aus Forchheim und umliegenden Dörfern zu beklagen. Das Forchheimer Tagblatt vor 100 Jahren bringt im September 1914 täglich Meldungen vom Kriegsgeschehen. Der Forchheimer Stadtarchivar Rainer Kestler hat die Meldungen gesichtet und die aus heimatgeschichtlicher Sicht interessantesten ausgewählt.

1. September

Der erste Forchheimer Gefallene im 1. Weltkrieg: Auf dem Felde der Ehre starb der bei der Firma Seltsam in Forchheim tätige Karl Bager, ein Apothekersohn aus Biebrich, im 31. Lebensjahr. Herr Bager machte den Feldzug als Leutnant der Reserve mit. Allgemein wird sein frühes Ableben hier sehr bedauert, umso mehr, als dass er sich durch sein liebenswürdiges Auftreten viele Freunde gewann. (Forchheim)

2. September

Schutzmannschaft: Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, dass zur Ergänzung der Schutzmannschaft von Forchheim, wo 3 Mann zu den Waffen einberufen wurden, der pensionierte Wachtmeister Michael Marschall zur Verstärkung der Nachtwache, Zinngießer Georg Altmann und der Karl Streb aufgestellt und verpflichtet worden sind. (Strecker: Bürgermeister Forchheim)

3. September

Heldentod: Leutnant der Reserve Rechtsanwalt Dr. Weigel ist nach einer bisher gelangten Mitteilung in Metz seinen Verwundungen erlegen. Die Leiche wird nach Bamberg überführt. Ehre diesem Tapferen, der als erster von Ebermannstadt den Heldentod fürs Vaterland starb. (Ebermannstadt)

7. September

Sammlung für die Soldaten: Überall zeigt sich die Mildtätigkeit für die im Feld stehenden Soldaten und fürs Rote Kreuz. Wie wir erfahren haben, sammelten die Arbeiter von Weber u. Ott in Forchheim 70 Mark die Bahnschutzwache und die Bahnstation 40 Mark. Mögen diese Sammlungen ein gutes Beispiel für alle sein und die deutsche Armee zum Siege führen. (Forchheim)

9. September

Kriegszustand (Wasserableitung): Die Forchheimer mechanische Buntweberei und zum Teil auch die Mühlen sind zurzeit mit Lieferungen für Armeezwecke stark in Anspruch genommen und bei dem Mangel an Kohlen auf möglichste Ausnutzung der Wasserkraft der Wiesent angewiesen.
In den letzten Tagen ist eine empfindliche Störung in diesen Betrieben durch Entnehmen von Wasser zu Bewässerungszwecken eingetreten. So ist ja bekannt, dass nach dem 8. September kein Wasser mehr entnommen werden darf, das auch im Interesse der pünktlichen Lieferungen für die Armee dient. Jede Übertretung dieses Verbotes werden wir beim Generalkommando zur Anzeige bringen. (Strecker: Hofrat Forchheim)

14. September

Lazarettzug: Gestern Nacht gegen 12:00 Uhr traf ein Lazarettzug aus Frankreich in Forchheim ein. Dem Zug entstiegen 32 leicht Verletzte, wovon 18 ins Krankenhaus Ebermannstadt und die restlichen nach Forchheim verlegt wurden. Die Verwundeten wurden hier gelabt und den Transport übernahm die ausgerückte Sanitätskolonne von Forchheim. (Forchheim)

15. September

Gefallen fürs Vaterland:
In Heroldsbach traf die Trauernachricht ein, Herr Schleicher der infolge einer reichen Begabung zu den besten Hoffnungen berechtigte, den Tod auf dem Schlachtfeld gefunden hat. Schleicher war auch einer der besten Schüler des Progymnasiums in Forchheim und Mitglied der katholischen Studentenvereinigung in Erlangen. Die Familie Schleicher hat gleichzeitig mit diesem schweren Verlust die Mitteilung erhalten, dass ein zweiter im Felde stehender Sohn schwere Verwundungen am Arm, am rechten Bein und einen Unterleibsschuss erhalten hat. Der schwer geprüften Familie, wendet sich allgemeine Teilnahme zu. (Heroldsbach)

18. September

Eisernes Kreuz verliehen: Dem Sohne unserer Stadt Forchheim, Oskar Popp, Gefreiter der 3. Kompanie, dem wie schon berichtet, das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen wurde, ist jetzt vor versammelten Regiment als erster damit ausgezeichnet worden und zwar für einen waghalsigen Einsatz gegen die Franzosen bei Mühlhausen. (Forchheim)

21. September

Errichtung eines Lazarettes: Der Stadtmagistrat von Forchheim, hat dem Roten Kreuz Räume des Progymnasiums als Lazarett zur Verfügung gestellt. Es erwächst nun die Aufgabe diese Räume auch dem entsprechend einzurichten. Dabei ist das Rote Kreuz auf die gesamte Bevölkerung in Forchheim angewiesen. Zunächst muss der Haupteingang gesichert werden. Eine sehr große Anzahl von Bettgestellen wurde bereits gespendet. Wer neue Bettstellen bereitstellen möchte, sollte sich an das Möbelgeschäft Speckner in Forchheim wenden. (Forchheim)

23. September

Kriegsfreiwillige: Aus der Stadt Forchheim sind 31 Kriegsfreiwillige ins Heer eingetreten. (Forchheim)

24. September

Leichenüberführung: Die Leichenüberführung gefallener Krieger in die Heimat auf Antrag der Angehörigen kann zurzeit nicht genehmigt werden, da die Bahnen durch Rücktransport Gefangener und Verwundeter voll in Anspruch genommen werden. (Forchheim)

29. September

Ausgezeichnet: Ein Feldpostbrief teilt uns mit, der Forchheimer Pionier Baptist Krämer Kupferschmied in Forchheim, das Eiserne Kreuz 2. Klasse für Mut, Ausdauer und die Fürsorge für Verwundete und starken Gewehrfeuer erhalten hat. Wir beglückwünschen den wackeren Helden! (Forchheim)

Gefallen: Der 36jährige Landwehrmann Georg Heilmann ist als erster der Gemeinde Pinzberg auf dem Felde der Ehre gefallen. Der Witwe und ihren Kindern wird allgemeine Teilnahme gezeigt.(Pinzberg)

30. September

Fürsorge der Kriegsverletzten: Die im Distriktkrankenhaus von Ebermannstadt untergebrachten Verwundeten waren am Freitag von Herrn Geheimen Kommerzienrat Bing zur Besichtigung der Binghöhle eingeladen. Daran anschließend wurden sie im Sanatorium des Herrn Dr. Dickhoff bewirtet und reichlich beschenkt. Gestern nahmen die Protestanten am evangelischen Gottesdienst teil und empfingen zum Schluss das Abendmahl mit der Gemeinde. Nach Beendigung des Gottesdienstes waren die Soldaten von verschiedenen Familien aus Streitberg zum Essen eingeladen. (Ebermannstadt) red



Textzusammenstellung:
Rainer Kestler
Stadtarchiv Forchheim