Ebersdorf — Eine Projektwoche der besonderen Art, die unter dem Motto: "Fit for tolerance", stand, gab es in den Jugendräumen des evangelischen Gemeindezentrums (EGZ). Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Nationen kamen bei Sport-, Spiel- und weitere gemeinsamen Aktionen zusammen und lernten dabei fast wie neben bei, wie einfach es ist, Toleranz zu üben und über den eigenen Tellerrand zu blicken.
Alle tauchten auch kulinarisch in andere Kulturen ein. Jeden Tag stand ein Gericht aus einem anderen Land auf dem Speiseplan, das gemeinsam zubereitet wurde, bevor es sich alle schmecken ließen. Als Vermittlerin und Bindeglied fungierte Nigar Shiraliyeva. Sie begleitete die Kinder aus dem Wohnheim hin und zurück und steuerte das Rezept für Levenge aus Aserbaidschan bei, das aus Hähnchen, Walnüssen, Zwiebeln, Zitrone und Dill zubereitet wird.
Zum Abschluss der Woche gab es ein Grillfest. "Von Beginn an waren alle mit Begeisterung dabei, obwohl es beispielsweise beim Kochen viele Unterschiede gibt. Das fängt schon bei der Auswahl von Fleisch an", erklärt Jugendpflegerin Danica Faber.
Nachdem viele Ebersdorfer Vereine Probleme mit Nachwuchs haben, bot dieses Projekt für sie eine Möglichkeit sich zu präsentieren. "Dadurch konnten wir außerdem ein abwechslungsreiches Programm bieten und eine gute Aktion zur Flüchtlingssituation beisteuern, denn auf unkomplizierte Art haben auch die unterschiedlichen Kulturen zueinander gefunden", sagte die Jugendpflegerin.
Gute Vernetzung machte es möglich, dass die Projektwoche in Kooperation mit der Kommunalen Jugendarbeit des Landkreises, dem Kreisjugendring Coburg und der Jugendpflege Ebersdorf durchgeführt wurde, die obendrein vom Netzwerk Coburg Stadt und Land ist bunt und der Coburger Gruppe "Kochen für Weltbürger" Unterstützung erhielt.
Besonders beeindruckend war für viele, dass sich die jungen Teilnehmer ohne große Vorworte selbst in Toleranz übten. "Streit oder andere Probleme gab es nicht, man hat einen richtigen Gemeinschaftssinn gespürt", betont Danica Faber.


Fußball ohne Augenlicht

Auf großes Interesse stieß das Thema Behinderung, das für die Teilnehmer durch das Blindenfußball, welches Manuel Beck (VfL Frohnlach) organisiert hatte, selbst erlebt werden konnte, denn gespielt werden durfte nur mit Brillen, durch die die Teilnehmer nichts sehen konnten.
Neben einem Anti-Gewalttraining der Ju-Jutsu-Abteilung des Turnvereins Ebersdorf stand Fairness beim Handball (Turnverein Ebersdorf) im Mittelpunkt. Außerdem konnten die Teilnehmer Ein- und Kunstradfahren (RSV Frohnlach) oder Rasenkegeln (SKC Frohnlach) ausprobieren. Insgesamt hatten Kinder und Jugendliche von acht bis 16 Jahren aus Deutschland, Syrien, Russland und Aserbaidschan viel Spaß und lernten während der Woche viel von- und übereinander.
Beeindruckt von Aussagen und Reaktionen zeigten sich die Ideengeber der Projektwoche Dominik Reichle, Johannes Kobras und Maximilian Behrens, die Praxisstudenten der Fachhochschule sind. "Ohne viel Anleitung von uns haben die Kinder ganz von selbst das Thema Toleranz aussagekräftig dargestellt. Für ein Toleranz-Plakat hat beispielsweise der jüngste Teilnehmer (Behram Sultanov, 8 Jahre) eine dunkel- und eine hellhäutige Frau aus einem Prospekt geschnitten und meinte beim Aufkleben: "Mir ist egal, welche Hautfarbe die beiden haben." Aufs Plakat klebte er dann noch einen bunten Teppich und meinte: "Ich habe mich für diesen entschieden, weil bunt eine schöne Farbe ist." Als große Herausforderung sahen die Organisatoren die Sprachbarrieren an, die sich aber in Wohlgefallen auflösten, denn neben einem Dolmetscher konnten sich alle recht gut auf Englisch oder mit Händen und Füßen verständigen.
Am Ende fanden alle die Aktion klasse. Leonhard Scheler: "Ich habe während der Woche etwas über Selbstverteidigung gelernt und Essen probiert, das ich nicht kenne. Weil alle sehr gut mitgemacht haben, hatten wir viel Spaß. Obwohl wir unterschiedliche Sprachen sprechen und diese nicht verstehen, haben wir uns verstanden. In den verschiedenen Sprachen haben wir gelernt, wie man Hallo sagt. Ich würde mich freuen, wenn es so etwas öfters geben würde."
Nigar Shiraliyeva: "Mir hat diese Projektwoche ganz viel Spaß gemacht, denn wir konnten über das Essen andere Kulturen kennenlernen. Ich fand auch die Möglichkeit gut, dass wir untereinander Fragen stellen konnten, um zu sehen, wen was bewegt oder welche Schwierigkeiten es gibt. Ich würde mir eine solche Aktion öfters wünschen."
Zweiter Bürgermeister Joachim Hassel (SPD): "Wir sind sehr froh, dass hier eine hervorragende Möglichkeit für Kinder und Jugendliche geschaffen wurde, sich in Toleranz und Akzeptanz zu üben. Die Woche war für die Kinder und Jugendlichen der anderen Nationen sehr hilfreich, da jeder von ihnen sein Päckchen zu tragen hat und sie in den Tagen während des Projekts vielleicht lernten, wie dieses gut zu schultern ist."