Auch in diesem Jahr beteiligte sich das Meranier-Gymnasium unter dem Motto "Vorlesepause" am bundesweiten Vorlesetag. Zahlreiche Lehrer aller Fachrichtungen und erstmals auch Schüler des Leseclubs und Eltern lasen zu den unterschiedlichsten Themen in der verlängerten Pause von 10.15 bis 10.45 Uhr vor, wobei sich Schüler aller Jahrgangsstufen eine Vorleseaktion ihrer Wahl aussuchen konnten.
Studiendirektor Dieter Stamm, der die Fächer Chemie und Biologie unterrichtet, konnte auch diesmal wieder die Schüler mit einer Tiergeschichte begeistern, die aus einem Büchlein stammte, aus dem ihm einst schon sein Vater genauso vorlas wie er später seinen acht Söhnen. Dabei handelte es sich um eine spannende und sinnreiche Erzählung, die sich auf ähnliche Weise tatsächlich so zugetragen haben soll.
In der Geschichte "Der Storch als Briefträger" ging es um den Sohn einer armen Witwe in Schweden namens Sven, der große Freude an einem zahmen Storch hatte, der sich alle Jahre auf dem Dach des Elternhauses einfand, sich durch Pfiffe anlocken ließ und dem Jungen aus der Hand fraß. Nachdem Sven zu einem jungen Mann herangewachsen war, zog er zur See. Auf einer Fahrt geriet sein Schiff vor der Küste Nordafrikas in die Hände von Piraten, die die gesamte Mannschaft gefangen nahmen. Sven wurde als Sklave an einen reichen Moslem verkauft, der ihn auf dem Feld arbeiten ließ. In der Heimat musste die Mutter mit dem Tod des jungen Matrosen rechnen, da er sich nicht mehr meldete.
Hoch erfreut war der Gefangene, als eines Tages ein Storch in seiner Nähe auf Futtersuche ging. Wie er es gewohnt war, lockte er das Tier, das sich ihm auch zögernd näherte. Als der Vogel immer zutraulicher wurde und sich von ihm sogar streicheln ließ, wurde Sven klar, dass es sein Freund aus der Heimat sein musste. Er fütterte das Tier wie gewohnt mit seiner knappen Nahrung, da es ihm ein Trost und eine Erinnerung an die Heimat war. Als die Zeit des Vogelzuges nahte, kam ihm der Gedanke, einen Hilferuf mit dem Storch nach Hause zu senden.
Sorgfältig befestigte er ein Brieflein am Fuß des Vogels, der sich diese seltsame Behandlung erstaunlich willig gefallen ließ. Der Storch erreichte wohlbehalten das heimatliche Dorf, wo die auffallende Fußbekleidung sofort erkannt wurde.
Der Ortspfarrer unterstützte die Witwe und wandte sich an den schwedischen König, der auf diplomatischem Wege die Freilassung und Heimkehr seines Untertans arrangieren ließ, so dass die Dorfgemeinschaft seine Rückkehr mit einem bewegenden Dankgottesdienst feiern konnte.
Die Schüler folgten entspannt, aber aufmerksam der wunderschönen Erzählung. Sie freuten sich schon auf die nächste Vorlesepause, auf die sie keineswegs ein Jahr warten müssen, denn es findet sich des Öfteren im normalen Schulalltag in der Pause eine Schülergruppe zusammen, denen Dieter Stamm gerne aus seinem großen Fundus eine Kurzgeschichte vorliest.