Susanne Deuerling

Es ist wieder so weit, die Saison an der über 500 Jahre alten Teichmühle oberhalb von Steinwiesen hat am 1. Mai begonnen. Von Mai bis Oktober ist sie nun wieder jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Um die Besucher auch bestmöglich mit Informationen versorgen zu können, ist zu den Öffnungszeiten immer ein qualifizierter Mühlenführer anwesend. Der Mühlenverein Rodachtal e.V. um 1. Vorsitzenden Michael Kestel zeichnet seit 1987 für die sonntäglichen Führungen verantwortlich und hat seit 2004 auch den Schneidbetrieb gepachtet. Unter der Woche werden Gruppenbesichtigungen gerne angenommen. Näheres erfährt man auf der Homepage (http://teichmuehle-steinwiesen.byseum.de). Ebenso hat die Teichmühle Steinwiesen bei Facebook ihre eigene Seite.
Die Mühlentradition im Frankenwald ist über 900 Jahre alt. Die Teichmühle Steinwiesen wurde 1507 erstmals urkundlich erwähnt. Zur Blütezeit um 1780 gab es 156 solche kleine Schneidmühlen, die meistens im Besitz einer Frühform von einer Genossenschaft waren. Sie konnten seinerzeit ein Drittel der Landkreisbevölkerung ernähren und waren ein bedeutender Wirtschaftszweig. Die Teichmühle Steinwiesen ist die letzte verbliebene Schneidmühle, die heute noch in Betrieb und zugleich ein nichtstaatliches Museum und somit der Öffentlichkeit zugänglich ist.


Vier Meter hohes Mühlrad

Bei den Führungen kann auch das vier Meter hohe und ein Meter breite Mühlrad besichtigt werden. Es hat einen Durchfluss von 1000 Litern pro Sekunde, erreicht damit eine maximale Leistung von fast 7 PS. Danach fließt das Wasser unverbraucht weiter. Heute ringt man um erneuerbare Energien, vor über neun Jahrhunderten haben dies unsere Vorfahren bereits bei den Frankenwaldmühlen angewandt. Sehr interessant ist auch der königlich-bayerische Eisenvollgatter, der nachweislich über 140 Jahre alt ist und noch heute einwandfrei ruhig läuft und ohne Vibrationen funktioniert.


Alleinstellungsmerkmal

Ein Alleinstellungsmerkmal der Teichmühle ist das nachgebaute Bretterfloß. Um 1800 wurde nämlich das Frankenwaldholz zu 70 Prozent als Bretter und nur 30 Prozent als Rundhölzer geflößt. Mit dem Anschluss Kronachs an die Eisenbahn 1861 kamen Flößerei und die Bretterlieferungen zunehmend in Bedrängnis. Zudem wütete am 7. Dezember 1868 ein schwerer Orkan in unserer Gegend, dem ein Drittel des Fichtenholzes zum Opfer fiel.


Heinz Köhler erkannte den Wert

Da die kleinen Schneidmühlen das Schadholz nicht schnell genug aufarbeiten konnten und eine künstliche Bewässerung zur Konservierung des Holzes technisch noch nicht möglich war, wurden bei Kronach drei Dampfsägewerke mit mehr als 23 Sägegattern errichtet. Nach der Aufarbeitungen des Schadholzes wurde dann auch das Holz der kleinen Schneidmühlen verarbeitet, weil man nicht mehr vom Wasser abhängig war. So starben nach und nach diese typischen Frankenwaldmühlen oder wurden zweckentfremdet. Heinz Köhler erkannte den Wert und das Erbe der Mühlentradition. 1982 kauften der Landkreis Kronach und der Markt Steinwiesen die Anteile von den Privatleuten auf, so dass die Teichmühle heute bis auf einen halben Schneidtag in der öffentlichen Hand ist. Besichtigen kann man außerdem noch das Nadelwehr, den Eichpfahl, eine Schautafel, einen Wellenbaum, Kammräder und ein Korbrad. Natürlich auch den Sägeschuppen und die karge Wohnung der Schneidmüllerfamilie.