von unserem Redaktionsmitglied 
Friederike Stark

Kreis Haßberge — Ein Taxi fährt die Osttangente in Haßfurt entlang. Es scheint besetzt zu sein, das Dachschild ist aus. Doch auf einmal blinken rechts und links neben der Aufschrift "Taxi" am Dachschild rote LEDs auf. Ist das eine neue Art, darauf hinzuweisen, dass das Taxi belegt ist? Weit gefehlt!
"Dabei handelt es sich um einen stillen Alarm", erklärt Peter Häusinger, Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken. Wer ein Taxi sieht, bei dem rote LEDs auf dem Dach aufleuchten oder das gesamte Dachschild blinkt, der sollte sofort die Polizei verständigen.


Der stille Alarm ist zu still

Das Problem am stillen Alarm aber ist, dass kaum jemand überhaupt davon weiß. "Die wenigsten Leute reagieren auf die blinkenden Lichter", bestätigt Anja Gaukler, die Geschäftsführerin eines Taxiunternehmens in Haßfurt.
Dabei ist die Idee dahinter plausibel: "Der Taxifahrer kann in einer Gefahrensituation unbemerkt den stillen Alarm auslösen und der Täter bekommt im Innenraum davon nichts mit", erklärt Matthias Schmidt vom Taxiverband Franken. Der Taxifahrer macht die Umwelt auf seine Notlage aufmerksam, jemand alarmiert die Polizei und diese kann den Täter stoppen und dem Fahrer helfen.


Andere Alarmsysteme

Doch in der Praxis ist das nicht der Fall: "In der Dunkelheit ist das Licht gut zu erkennen, doch tagsüber nimmt man die Lämpchen mitunter gar nicht wahr", sagt Gaukler. Und auch dann ist die Frage, ob jemand darauf reagiert. Glücklicherweise habe noch nie einer ihrer Fahrer den Knopf betätigen müssen. "Aber wenn, haben wir noch die Möglichkeit, den Hauptalarm auszulösen", erklärt die Taxifahrerin.
Der Hauptalarm ist alles andere als still. Sowohl die Blinklichter als auch das Schild auf dem Autodach leuchten auf. "Zusätzlich ertönt die Hupe", erklärt Matthias Schmidt vom Taxiverband Franken. Dieser Alarm ist Pflicht bei allen Taxen deutschlandweit. "Der Tüv überprüft bei der jährlichen Hauptuntersuchung diese Funktion", weiß Schmidt. Die Idee hinter diesem Alarm: Der Täter soll in die Flucht geschlagen werden und Außenstehende sollen aufmerksam gemacht werden.
Schwächen hat auch diese Alarmfunktion: "Zwar rennt der Täter vermutlich weg, aber er ist möglicherweise nicht mehr fassbar", schränkt Schmidt den Nutzen dieses Alarms ein. Dennoch hilft es freilich, den Täter zu verjagen, wie Anja Gaukler erklärt: "Letztlich geht es nicht darum, das Auto oder das Geld zu retten, sondern erst mal das eigene Leben." Matthias Schmidt vom Taxiverband erklärt, dass es weitere Möglichkeiten für Taxifahrer gibt, sich abzusichern: "Eine Innenraumkamera, die gekennzeichnet werden muss, kann möglicherweise abschreckend wirken."
Für besonders sinnvoll hält der Verbandsvorsitzende eine andere Technik. "In Stuttgart können Taxifahrer über den Funk einen stillen Alarm auslösen, der der Zentrale gemeldet wird", sagt Schmidt. So ist gewährleistet, dass der stille Alarm zwar im Auto still ist, aber dennoch erhört wird. Das sei aber im Landkreis Haßberge nicht möglich, da es nicht eine Zentrale für alle Taxen gibt. "Deshalb ist es wichtig, dass viele Leute vom stillen Alarm erfahren", resümiert Matthias Schmidt.