Leitungswasser kostet viel weniger als Mineralwasser und ist im direkten Vergleich von der Trinkwasserqualität her oft auch noch besser. Das stellt die Stiftung Warentest in ihrer August-Ausgabe der Zeitschrift "Test" fest. Die Wasserversorger aus der Region Bamberg kommen in dem Test aber nicht ausdrücklich vor. Kommt auch bei uns das bessere und günstigere Trinkwasser aus der Leitung? Können Leitungswasser und ein Wassersprudler bedenkenlos das Kästenschleppen ersparen oder gibt es doch Besonderheiten? Dr. Winfried Strauch vom Gesundheitsamt Bamberg erklärt, wie es um unser Wasser steht.

Herr Strauch, wie ist es um das Leitungswasser im Raum Bamberg bestellt? Wie mineralhaltig ist es?
Winfried Strauch: Die Qualität unseres Trinkwassers ist grundsätzlich hervorragend. Leitungswasser muss auf sehr hohem Niveau rein sein und wird ständig streng kontrolliert. Zum Anteil von Mineralstoffen lässt sich leider pauschal nichts sagen, weil es im Raum Bamberg nicht nur ein Wasser gibt.

Wo kommt das Wasser her, das bei uns aus den Leitungen fließt?
In der Stadt Bamberg kommt es zum großen Teil aus städtischen Brunnen. Die liegen sehr verzweigt zum Beispiel im Wasserschutzgebiet 'Hirschaider Büsche', im Hauptsmoorwald oder auch in Gaustadt. Auch einige Landkreis-Gemeinden haben noch eigene Brunnen und so manche Quelle. Im westlichen Landkreis gibt es in einigen Gemeinden sogar Bürger, die ihre eigenen Hausbrunnen besitzen. Die sind für ihre Wasserqualität natürlich selbst verantwortlich. In der 'Auracher Gruppe' wiederum kommt das Wasser aus Brunnen in Stegaurach und Burgebrach, zusätzlich kauft die Gruppe Wasser von der 'Fernwasserversorgung Oberfranken' (FWO) hinzu. Die FWO beliefert mit ihrem Wasser aus dem Lechmündungsgebiet auch große Gebiete im Norden und im Osten des Landkreises, zum Beispiel Hallstadt und Scheßlitz. Man merkt den Unterschied: Das Wasser dort ist viel weicher, also weniger kalkhaltig, als das in Bamberg.

Und wenn ich nun Details zu meinem Leitungswasser wissen möchte?
Alle Wasserversorger sind nach der Trinkwasserverordnung verpflichtet, ihr Wasser regelmäßig zu untersuchen. Fragen Sie bei Ihrem Wasserversorger nach den Ergebnissen! Welcher zuständig ist, steht auf Ihrer Wasser-Rechnung oder sagt man Ihnen im Rathaus.

Die Tests beziehen sich auf das Wasser, das die Versorger bis zum Hausanschluss liefern. Können aber nicht auch schlechte Leitungen, zum Beispiel in alten Häusern, für verunreinigtes Wasser sorgen?
Eigentlich nicht. Kritisch wären Bleileitungen, die sind aber bei uns seit Jahrhunderten verboten. Kalkhaltiges Wasser, wie es in Bamberg fließt, sorgt sogar dafür, dass sich in den Rohren im Haus eine Schutzschicht aus Kalk bildet.

Es kommt aber schon mal trübes oder braunes Wasser aus der Leitung, wenn der Kelleranschluss zuvor ein paar Monate lang nicht aufgedreht wurde...
Das ist normal, wenn Wasser lange steht. Man lässt es dann eben erst ein paar Minuten laufen, bevor man es nutzt. So wird die Leitung durchgespült. Das sollte man übrigens auch nach dem Urlaub machen. Vor ein paar Jahren haben wir bei einem Versuch in einem Einfamilienhaus festgestellt, dass es nach dem Aufstehen am Morgen ausreicht, einmal die Toilettenspülung zu betätigen, um schon wieder frisches, sauberes Wasser zu haben.
Wie kann es zu bakteriellen Verunreinigungen des Leitungswassers, wie vergangene Woche in Hallstadt, kommen?
Das System ist belebt und Trinkwasser ist nicht steril. Deswegen müssen regelmäßig Untersuchungen durchgeführt werden, die Probleme frühzeitig erkennen lassen. Nach den Ermittlungen des Wasserversorgers war die Ursache in Hallstadt - kurz gesagt - eine Undichtigkeit der Leitung. Das Positive: Es ist keine massive Verschmutzung eingetreten, aber die bereits erwähnten Beläge haben auch den Nachteil, dass sich Keime festsetzen und vermehren können. Deswegen muss zunächst auch nach Beseitigung der Ursache das Wasser gechlort und abgekocht werden. Vom Ergebnis weiterer Untersuchungen ist abhängig, wann die Abkochanordnung aufgehoben werden kann.

Wo können Verbraucher selbst Wasserproben analysieren lassen?
Das ist gar nicht so einfach und obendrein teuer. Um verlässliche Ergebnisse zu bekommen, müssen Proben zunächst von zugelassenen Probenehmern fachgerecht entnommen werden. Dann muss ein ebenfalls extra zugelassenes Labor die Untersuchung vornehmen.

Die Fragen stellte Timo Stöhr