An einem Gesprächsabend mit Dekan Jürgen Blechschmidt nahmen neben Onesmo Maseleka und Hellena Msese aus Tansania auch gut zwei Dutzend Missionsbeauftragte und Gäste im Martin-Luther-Haus in Rügheim. Ziel des Treffens war es, über die Berufsschule und das Waisenhaus in der tansanischen Partnerstadt Mafinga zu informieren. Das geschah im wesentlichen durch einen Streifzug anhand von Bildern, die die beiden tansanischen Gäste und der Dekan des evangelischen Dekanats Rügheim erläuterten.
Onesmo Maseleka und Hellena Msese sind seit Mitte Oktober im Dekanat Rügheim zu Gast. Bis zum Begegnungsabend hatten sie schon viel kennengelernt; so besuchten sie unter anderem Unterrichtsstunden, erlebten ein Gospelkonzert, besichtigten Kindertagesstätten und Behinderteneinrichtungen, machten Ausflüge nach Bamberg und Königsberg, waren zu Gast bei den Firmen Uniwell und FTE und warfen einen Blick in die Meisterschule für Schreiner in Ebern, die besonders Onesmo Maseleka interessierte. Die Stationen in den letzten Tagen ihres Aufenthalts werden der Dekanatsempfang, ein Gemeindeabend und Besuche in Lutherstädten sein.


Pragmatische Lösungen

Schon bei der Präsentation der Bilder von der Berufsschule und dem Waisenhaus kamen Fragen auf. Mit welch einfachen, aber durchaus wirkungsvollen Mitteln zum Beispiel eine Warmwasseraufbereitung funktioniert, war genauso interessant wie von den verschiedenen Ausbildungsrichtungen zu hören. Moderne Solartechnik kommt aber genauso zum Einsatz.
Der Zulauf zu der vom Dekanat unterstützten Schule, deren Leiter Onesmo Maseleka ist, ist so groß, dass die Bewerber einen Aufnahmetest bestehen müssen, der genauso wichtig genommen wird wie die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung. Viele der jungen Männer und Frauen finden danach Arbeit in der Stadt oder gründen - wie es in Deutschland bezeichnet wird - eine Ich-AG.


Unterstützung durch die Familie

Viele Kinder werden schon als Babys im Waisenhaus, dessen Leitung Hellena Msese innehat, aufgenommen. Sie werden in der Regel bis zum Alter von drei Jahren versorgt. Ihnen stehen oft Personen aus der Großfamilie zur Seite; die lernen dort die Grundregeln der Kinderpflege und können die Hauptamtlichen unterstützen.
Während die Berufsschule zum größten Teil autonom arbeitet und einen eigenen Haushalt hat, finanziert sich das Waisenhaus durch Spenden und teilweise mit Unterstützung durch die Süddiözese. Das Dekanat Rügheim steht dieser Einrichtung jährlich mit zurzeit 6000 Euro zur Seite, ein Betrag, der vor allem für Nahrungsmittel, Decken und Bettwäsche gebraucht wird.
Die Missionsbeauftragten interessierten sich vor allem für die Aids-Vorsorge, die ärztliche Versorgung, die Situation der Mädchen und Frauen: Hier ist besonders bedeutsam, dass die Zwangsheirat - früher gang und gäbe - unter Strafe gestellt ist.
Weitere Themen waren die Organisation des Schulwesens - die Grundschule ist beispielsweise Pflicht und ist deshalb ebenso kostenfrei wie die Sekundarschule. Zudem ging es um Fragen der Kindersterblichkeit, die Berufs- und Ausbildungschancen.
Während Onesmo Maseleka seit 13 Jahre die Berufsschule leitet, hat Hellena Msese ihr Amt schon die doppelte Zeit inne. Sie sucht schon lange eine Nachfolgerin, damit sie sich nach ihrer Zeit als Leiterin des Waisenhauses vermehrt der eigenen Familie widmen kann.


Dreistimmig

Am Ende der Veranstaltung überraschten die tansanischen Gäste und Jürgen Blechschmidt die Besucher noch mit dem gemeinsam dreistimmig gesungenen Lied "Lobet den Herren" in der Landessprache. Hingewiesen wurde in Rügheim auf die Möglichkeit, in der Partnerstadt Mafinga ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren.