Friederike Stark

Fast freut sich der Autofahrer schon, wenn der Tank zur Neige geht und er sich wieder auf die Suche nach der günstigsten Tankstelle machen kann. "Diesel über einen Euro? Nix da, da such' ich weiter", mag sich manch einer derzeit denken. Schön für die Kunden. Doch wie sieht es mit den Tankstellen aus? Was bleibt am Ende des Tages noch übrig für den Pächter oder den Besitzer einer Tankstelle, wenn der Spritpreis in den Keller saust?


Freie Tankstellen kämpfen

"Unser Anteil pro Liter bleibt davon unberührt", erklärt Sabine Scheuring von der Tankstelle Ankenbrand in Eltmann. Denn die Betreiber haben mit einem großen Mineralöl-Konzern einen festen Betrag verhandelt, der vom sinkenden Ölpreis unberührt bleibt. Pro Liter erhalten sie einen einstelligen Centbetrag. Eine genaue Angabe machen die Betreiber nicht. Aber Hermine Ankenbrand, Seniorchefin und Tankstellenbetreiberin seit 1956, sagt: "So viel steht fest: Es lohnt sich nicht, Benzin zu verkaufen."
Warum sie es dennoch machen? "Es gehört für uns zum Rund-um-Service dazu. Werkstatt, Autohaus, Waschstraße und Kraftstoff gehören für uns zusammen", erklärt Ankenbrand. Und außerdem mache sie es gerne. "Mir macht das Spaß, hier zu arbeiten. Nur die moderne Kasse macht es etwas kompliziert", erklärt die Seniorchefin lachend, die gemeinsam mit ihrem Mann vor 60 Jahren mit einer Tanksäule und einem kleinen Kassenhäuschen angefangen hat.


Spaß muss sein

Spaß macht der Job auch einem weiteren Tankstellenbetreiber aus der Region, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. "Es muss mir auch Spaß machen, sonst hätte ich das eine oder andere Mal aufhören müssen." Er betreibt eine freie Tankstelle, hat keinen großen Markennamen über seinen Spritpreisen stehen. "Ich lege meine Preise selbst fest", erklärt der Betreiber der auch seit 60 Jahren bestehenden Tankstelle.


Preisdruck für freie Tankstellen

Er verrät, dass es für Betreiber freier Tankstellen ein ungeschriebenes Gesetz gibt: "Ich muss immer einen Cent günstiger sein als die nächstgelegene Markentankstelle." Das würden die Kunden von einer freien Tankstelle erwarten.
Doch für die freien Tankstellen bedeute der niedrige Ölpreis durchaus eine Gefahr. "Der Preis befindet sich in einem solchen Sturzflug, dass ich kaum hinterherkomme", erklärt der Tankstellenbesitzer. Kaum habe er Kraftstoff für einen bestimmten Preis gekauft, ist der Ölpreis schon wieder gesunken und sein Einkauf war überteuert. "Früher bin ich vielleicht einmal die Woche auf die Leiter geklettert, um die Preise an der Tafel zu ändern", erinnert sich der Geschäftsmann. Zum Glück gehe das nun automatisch, denn: "Heute hingegen ändert sich der Spritpreis bis zu zehn Mal am Tag."
Dennoch verdiene er am meisten mit Kraftstoff. "Der Shop macht bei mir nicht viel aus, aber ich muss ihn schon mit anbieten."