von unserer Mitarbeiterin 
Susanne Deuerling

Kronach — "Ich wollte ihn eigentlich gar nicht treffen", war die Aussage des Angeklagten aus dem Landkreis Kronach, als er mit der Anklageschrift konfrontiert wurde. Er hatte bei häuslichen Schwierigkeiten zur 0,5-Liter-Wasserflasche gegriffen, die noch dreiviertel voll gewesen war und sie nach seinem zwölfjährigen Sohn geworfen. Dabei wurde dieser an der Nase getroffen, wo er eine Schwellung und Hämatome davon trug.
Was war vorausgegangen? Der Beschuldigte wollte fernsehen und seine Kinder, die sich ebenfalls im Wohnzimmer befanden, gaben keine Ruhe. Nachdem ihn sein Sohn als "alten Sack" bezeichnet hatte, warf er die Flasche in dessen Richtung. Zu dieser Zeit befand sich der 54-jährige Angeklagte im alkoholisierten Zustand und dazu kam der Ärger über den Lärm seiner Kinder.
Der verletzte Junge holte seine Mutter, die daraufhin die Polizei verständigte. Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft mit Bianca Franke, warum sie dies getan habe, meinte der Angeklagte, dass es schon öfter Streitigkeiten wegen seines Alkoholkonsums gegeben habe. Nach Eintreffen der Polizei wurde eine Alkoholkonzentration von 2,5 Promille festgestellt. Daraufhin wurde der Angeklagte in Sicherheitsverwahrung genommen.
Der damals anwesende Polizeibeamte sagte als Zeuge, dass die Ehefrau von einem massiven Alkoholproblem ihres Mannes gesprochen habe. Jedoch habe er nicht den Eindruck gehabt, dass die Flasche vom Angeklagten gezielt geworfen wurde und bereits bei der Vernehmung auf der Dienststelle habe sein Ausraster ihm leid getan.

"Ich habe mit mir selbst gewettet"

Der Erwerbsunfähigkeitsrentner, der sich zu Hause um den Haushalt, die fünf Kinder und die Tiere kümmert, während seine Frau Schicht arbeitet, war aber noch nicht wegen häuslicher Gewalt aufgefallen, es ist polizeilich nichts bekannt. Staatsanwältin Bianca Franke betonte allerdings, dass bei einem Wurfabstand von nur ca. einem Meter ein Treffen und eine Verletzung zumindest billigend in Kauf genommen worden sei. Sein größtes Problem sei der Alkohol und diesem sollte man Einhalt gebieten. Der Angeklagte beteuerte, dass er seit dem Vorfall im August letzten Jahres keinen Alkohol mehr angerührt habe. "Ich habe mit mir selbst gewettet, dass ich nichts mehr trinke und bisher klappt das gut", meinte er.
Für Richter Jürgen Fehn war jedoch aufgrund des Vorstrafenregisters, das bereits Verstöße wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr beinhaltete, eine Suchtberatung unbedingt erforderlich.
Obwohl der Angeklagte beteuerte, dass auch in der Familie wieder alles in Ordnung sei und er sich mit seiner Frau ausgesprochen und sich bei seinem Sohn entschuldigt habe, wurde das Verfahren nur mit Auflagen vorläufig eingestellt. Dies wurde einvernehmlich mit der Staatsanwaltschaft, der Verteidigung (Till Wagler) und dem Angeklagten mit folgenden Auflagen vorgenommen: Dem Angeklagten wird die Weisung erteilt, bis spätestens zum 31. Juli 2015 an sechs Einzelgesprächen der Suchtberatungsstelle des diakonischen Werkes in Kronach teilzunehmen und nach jedem Gespräch einen schriftlichen Nachweis beim Gericht vorzulegen. "Dies soll ihm helfen, seine Wette gegen sich selbst dauerhaft zu gewinnen, damit sich so ein Vorfall nicht mehr wiederholt", sagte Richter Fehn.