E in Begriff fiel am Montagabend bei der Informationsveranstaltung im Zeller TSV-Sportheim mehrfach: Stuttgart 21. Es klang wie eine Drohung nach dem Motto: Wir sind die Wutbürger, wir lassen uns kein Tierheim vor den Ort setzen, wir sind im Recht.
Die Zeller haben Recht, wenn sie sich über die Vorgehensweise aufregen. Das Grundstück wird gekauft, der Kreistag fasst den Baubeschluss, und dann sollen die Bürger über das Projekt diskutieren. Diese Reihenfolge passt nicht. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Bürger auf den Arm genommen fühlen.
Nicht nachvollziehbar ist aber die kompromisslose Haltung, die Wortführer des Widerstandes an den Tag legten. Argumente wurden teilweise niedergebrüllt.
Die Frage ist, inwieweit die Versammlung im Sportheim repräsentativ ist für den Ort. Eine Vor-Ort-Recherche unserer Zeitung vor einigen Tagen hat ergeben, dass es auch Befürworter eines Tierheims auf dem Gärtnerei-Areal gibt. Ausgerechnet Leute, die nahe dran wohnen würden, hatten nichts einzuwenden.
Am Montagabend stand niemand auf und sprach sich für den Standort aus. Sieht man einmal von den Vertretern der Tierschutzinitiative ab.
Nein, einer traute sich doch. Der Knetzgauer Bürgermeister Stefan Paulus könnte sich die alte Gärtnerei als künftiges Tierheim vorstellen. "Ich halte diesen Standort für nicht indiskutabel", sagte er. Stefan Paulus erntete heftige Missfallenskundgebungen, teilweise sehr unsachlich. Ein bisschen Nachwahlkampf spielte auch mit.
Die Veranstaltung am Montagabend erinnerte an andere, ähnliche Diskussionen, in der nach dem Floriansprinzip argumentiert wird. Jeder will ein Handy nutzen, aber keinen Handymast neben seiner Wohnung haben. Viele fliegen in Urlaub, aber neben einem Flugplatz möchte niemand wohnen. Alle sind für die Energiewende, aber Windräder sollen woanders gebaut werden.
Es wäre zu wünschen, dass noch ein tragbarer Kompromiss gefunden wird. Ob es den Königsweg gibt, ist fraglich.