Ein Gesetz gegen Stress ist ein Widerspruch einer Gesellschaft, die alles dafür tut, noch schneller von A nach B zu kommen, Großereignisse möglichst im Live-Ticker-Modus begleiten will und dank Wlan und Flatrates allzeit und überall erreichbar sein muss, sich aber nicht traut, die mobilen Dinger im Urlaub oder Feierabend auszuschalten. Arbeitsministerin Andrea Nahles fordert eine Anti-Stress-Politik, eine Anti-Stress-Verordnung. Zu viel Stress kann einen seelisch krank machen. Das ist gefährlich und darf nicht sein ... 
Aber: Für ein Gefühl, eine Empfindung - als nicht weniger, aber auch nicht mehr würde ich Stress einstufen - ein Gesetz zu verabschieden, wird schwierig.
In Sachen Stress muss nicht nur zwischen dem einzelnen Typ Mensch unterschieden werden, sondern auch zwischen Ursache und Wirkung. Stress kann auch positiv sein. Gesundheitsforscher gehen immerhin davon aus, dass positiver Stress uns Leistungen abrufen lässt , die Langeweile nicht zulässt.
Ziel muss sein, dass jeder Arbeitnehmer mündig bleibt - oder wieder wird. Statt über Stress zu jammern, geht es darum, seinem Chef direkt zu verstehen zu geben, dass man im Feierabend abschaltet - auch das Mobiltelefon. Argumente dafür sind da! Und Hoffnung auf Menschlichkeit vielleicht auch noch.
Deshalb braucht es kein allgemeines Stress-Gesetz, sondern vernünftige Vereinbarungen zwischen Menschen, die sonst alle irgendwann an ihre körperlichen und seelischen Grenzen kommen werden.