von unserem Mitarbeiter Helmut Will

Haßfurt — Die häufigsten Antworten, die Richter, Staatsanwalt und Verteidiger auf ihre Fragen von Zeugen hörten, waren: "Das kann ich nicht mehr so genau sagen." Angeklagt waren vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Haßfurt drei Beschuldigte aus dem Landkreis Haßberge wegen gefährlicher Körperverletzung, die sich im August 2014 in einem Stadtteil von Ebern bei einer Geburtstagsfeier zugetragen hatte. Zwei der Angeklagten, der Dritte war nicht erschienen, bestritten in der ihnen vom Staatsanwalt vorgeworfenen Art und Weise, auf einen 20-jährigen Geschädigten, der am Boden lag, eingetreten und eingeschlagen zu haben.
Die Polizei war sogar, wie der Sachbearbeiter der Kriminalpolizeiinspektion Schweinfurt sagte, am Anfang der Ermittlungen in Absprache mit der Staatsanwaltschaft, da Tritte auch gegen den Kopf geführt worden sein sollen, von einem versuchten Tötungsdelikt ausgegangen.
Was war passiert? Alle Beteiligten waren bei einer 18-Jährigen zu deren Geburtstagsfeier eingeladen. So auch eine 18-jährige Verwandte von ihr aus einem Ort in Oberfranken und deren 20-jähriger Freund, ein Metallbauer. Der Grund der Auseinandersetzung, die später eskalierte, war eher banal. Der 20-jährige Oberfranke stritt sich mit einer weiteren Person wegen ihrer Autos. Jeder, so kam es in der Verhandlung zur Sprache, wollte das schnellste Auto und das mit den meisten PS haben.

Ein Rennen sollte die Frage klären

Wie einer der Beteiligten kurz anklingen ließ, dachte man sogar kurz darüber nach, das bei einem Rennen auszutesten. Nicht klar wurde letztlich, mit wem der beiden Angeklagten der Oberfranke stritt. Während dieser aussagte, von einem 19-jährigen Kfz-Mechaniker geschlagen worden zu sein ("denk ich jedenfalls"), meinte dessen Freundin, einen anderen Zeugen als den "Mitstreiter" erkannt zu haben.
Eskaliert war die Sache erst dann richtig, als sich das Geburtstagskind einmischte, um den Streit zu schlichten, und zwischen die beiden Streithähne ging. "Da bekam ich eine gewischt", sagte die 18-Jährige. Das teilte sie ihren Freund, dem 19-jährigen Kraftfahrzeugmechaniker mit. "Warum?", frage Richter Martin Kober. Die Zeugin kleinlaut: "Ich wollte, dass mein Freund dem, der mich geschlagen hat, etwas Angst macht."
Wer dann tatsächlich zuerst zuschlug, ob es nur ein Rumgeschubse war, konnte trotz vieler Nachfragen durch den Richter und Staatsanwalt Arno Ponnath nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden. "Das kann ich nicht mehr so genau sagen", so viele Antworten.
Die Verletzungen waren letztlich nicht gravierend, der Alkohol, so wurde deutlich, war bei vielen kräftig mit im Spiel. Das manche nicht mehr viel wussten oder auch die Unwahrheit sagten, mutmaßte der Sachbearbeiter der Kripo Schweinfurt, und erst durch viele Vernehmungen kam man auf die Angeklagten als Täter.
Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe führte aus, dass die beiden Angeklagten sozialisiert wären und er einen Dauerarrest für angebracht halte. Richter Martin Kober stellte schließlich die Frage in den Raum, die Verfahren gegen die beiden Angeklagten einzustellen, so sich die Prozessbeteiligung einschließlich der Nebenklage auf einen Geldbetrag einigen könnten, der an den 20-Jährigen, der getreten und geschlagen worden sein soll, zu zahlen wäre.

Einigung auf 750 Euro

Die Sitzung wurde unterbrochen und die Verteidiger berieten sich mit ihren Mandanten und untereinander. Das Ergebnis: Die beiden Angeklagten zahlen jeweils einen Betrag von 750 Euro an den Geschädigten und es werden keine weiteren zivilrechtlichen Ansprüche mehr geltend gemacht. Dem folgte das Schöffengericht mit einem entsprechenden Beschluss.
Der Angeklagte, der nicht erschienen war, wurde in Abwesenheit wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe zu 90 Tagessätzen von 60 Euro verurteilt.
Der mitangeklagte 18-jährige Kraftfahrzeugmechaniker-Azubi, gegen den das Verfahren wegen Körperverletzung eingestellt worden war, musste sich noch wegen Trunkenheit im Verkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis mit einem nicht versicherten Pkw, mit dem er im Januar 2015 einen Verkehrsunfall mit einem Fremdschaden von 5000 Euro verursacht hatte, verantworten. 1,89 Promille hatte er damals im Blut. Staatsanwalt Ponnath beantragte für ihn zwei Wochen Dauerarrest und eine Führerscheinsperre von einem Jahr und sechs Monaten. Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Mareen Basler, hielt in ihrem Antrag einen Wochenendarrest für ausreichend sowie die Teilnahme an einer Suchtberatung. Richter Kober verurteilte den jungen Mann zu zwei Wochen Dauerarrest und einem Jahr und sechs Monaten Fahrerlaubnisentzug. Auch muss er an einer Suchtberatung teilnehmen. Das Urteil ist rechtskräftig.