von unserem Mitarbeiter 
Rolf-Bernhard Essig

Bamberg — Neu klangen selbst die Nachtigallen auf dem Heimweg. Das letzte von vier großartigen Konzerten des Festivals "15. Tage der Neuen Musik Bamberg" lag hinter mir, und ich fühlte mich berauscht: alle Kanäle für Sinneseindrücke weit offen.
Eine neue Welt an Musik präsentierte der Festivalleiter Markus Elsner, die viele neugierig machte, produktiv verwirrte, sehr bereicherte. Nach jedem Konzert, ob in der Johanniskapelle, in der Villa Concordia oder in der VHS blieben große Gruppen bei Wein und Gespräch noch lange beisammen, um die Menge der Eindrücke in Worte zu fassen. Da diskutierte man kontrovers, ob Elektronik im Alten E-Werk genau richtig aufgehoben ist, oder ob die unvergleichlich erschütternde, meditativ-religiöse Sinfonie von Awet Terterjan eher in eine Kirche gepasst hätte. Oder wie kommt eine Viera Janárceková in ihrem 5. Streichquartett nur auf die eindrucksvolle Idee, statt der Saiten der Instrumente ihre Schnecken und Saitenhalterungen streichen zu lassen? Und wie kam es zu diesen Geigerzähler-Geräuschen? Da war doch keine Elektronik im Spiel? Nein, man ahmte sie nach, denn Markus Elsner hatte "plugged!!!!" als Motto des Festivals gewählt, also "Stecker rein!!!!".

Klangregisseure

Außer den Ensembles spielten deshalb die Klangregisseure Felix Dreher und Paolo Mariangeli an ihren Mischpulten eine immens wichtige Rolle. Sie steuerten virtuos Zuspielungen und Sondertöne bei, mischten Klänge, nahmen live Tonfiguren auf und speisten sie wieder ein.
Dieser Mix von elektronischer Musik mit traditionellen Instrumenten hatte bestimmt nichts Konstruiertes, zu hören gerade beim Composer in Residence Minas Borboudakis, dessen Stücke für Stimme oder Klavier durch die elektronischen Klänge an Intensität, Tiefe, ja Magie gewannen. Seine künstlerische Extraklasse bemerkte man auch bei der Uraufführung seines Streichquartetts Nr. 2 mit dem Titel "ONE - Strips" durch das Ensemble in Residence, das Sonar Quartett: vier blitzgescheite, umwerfend virtuose und herausragend harmonisch agierende Künstler.
Dass man ihnen, Borboudakis, dem Festivalleiter mit seinem Ensemble Zeitsprung und vielen anderen Musikern an diesen vier Tagen immer wieder begegnen, sich mit ihnen austauschen konnte, das machte den besonderen Reiz des Festivals aus. Und dass wie immer Schüler eingebunden waren, diesmal von Clavius-Gymnasium und Musikschule. Beispielhaft und beeindruckend, wie unvoreingenommen, neugierig, begeistert sie an die Neue Musik herangingen!