von unserem Mitarbeiter  Harald Rieger

Landkreis Bamberg — Die Namen der Autoren, die zu Beginn des nächsten Jahres nach Bamberg und in den Landkreis zum ersten Literaturfestival kommen sollen, lesen sich wie das "Who-is- Who" der deutschen Literatur. Darunter befinden sich unter anderem Schriftsteller wie Martin Walser, Donna Leon und Andreas Englisch. Hinzu gesellen sich zahlreiche Kinderbuchautoren und heimische Autoren wie Tanja Kinkel und auch Paul Maar.
"Insgesamt ist ein Literaturfestival geplant, an dem wir binnen 14 Tage in 18 Landkreisgemeinden sowie in der Stadt Bamberg namhafte und renommierte Autoren zu Wort kommen lassen wollen", schilderte Landrat Johann Kalb (CSU) im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung des Kultur- und Sportausschusses und des Kreisausschusses.


Anstoß von Paul Maar

Zur organisatorischen Umsetzung wurde bereits die Unternehmensgesellschaft "Bamberger Literaturfestival" gegründet.
Diese setzt sich aus dem Stadtmarketing Bamberg, der Veranstaltungsservice Bamberg GmbH und der Buchhandlung Hübscher zusammen. Das Festival soll nicht nur ein einmaliges Ereignis werden, sondern nachhaltig auf Jahre etabliert werden. "Die Idee ist beim Neujahrsempfang entstanden und stammte vom Buchautor Paul Maar. Der bedauerte, dass Bamberg, obwohl es eine erfolgreiche Buchstadt ist und hier viele namhafte Autoren beheimatet sind, kein Festival dieser Art hat", sagte Kalb.
Er, Kalb, hätte dies als Aufforderung verstanden. Er sei begeistert darüber, dass gleich beim ersten Anlauf "derart hochkarätige Autoren" gewonnen werden konnten. Geplant ist demnach eine Kombination von Lesungen in großen Veranstaltungsräumen und in kleineren Landkreisbüchereien. Dabei sollen auch besonders Kinder und Jugendliche angesprochen werden.
Ferner erhofft sich der Landrat vom Literaturfestival einen wertvollen Beitrag für die Bürger der Region. Es soll zudem durch seine überregionale Strahlkraft die heimische Wirtschaft als auch den Tourismus in einer eher unattraktiven Zeit - das Festival soll im Januar und Februar nächsten Jahres stattfinden - ankurbeln.
"Ich bin fest davon überzeugt, dass uns damit ein kulturelles Leuchtturmprojekt gelingen wird, welches auch Literatur wieder stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft rückt", schwärmte der Landrat.


Warum Miete bezahlen?

Auch die meisten Ausschussmitglieder sprachen sich für das Literaturfestival aus. Bemängelt wurden lediglich unter anderem die Mietkosten für Räume.
"Es muss doch möglich sein, die Veranstaltungen in gemeindeeigenen Räumlichkeiten durchzuführen, wo keine Miete zu zahlen ist", argumentierte beispielsweise Heinrich Faatz (CSU). Und Thilo Wagner (FW/ÜWG) schlug seinerseits vor, mehr ortsansässige Autoren ins Festival zu integrieren. Zudem sollte der Landkreis, wie Carsten Joneitis (SPD) unterstrich, nur eine Anschubfinanzierung geben, künftig müsse das Festival dann auf eigenen Beinen stehen.
Vehemente Kritik gegen das Literaturfestival hingegen kam aus den Reihen der Grünen. "Wir werden jetzt einfach vor vollendete Tatsachen gestellt und können nur noch dem Zuschuss zustimmen. In die Planungen vorher wurden wir nicht einbezogen", wetterte Andreas Lösche.
Des Weiteren kritisierte er den fehlenden regionalen Bezug und die Tatsache, dass nur die Buchhandlung Hübscher in das Konzept involviert sei und keine Buchhandlungen aus dem Landkreis. Lösche zweifelte ferner daran, dass das Literaturfestival ein touristisches Zugpferd werden würde. "Zudem schafft sich Bamberg, und sechs Lesungen sollen ja auch dort stattfinden, eine eigene Konkurrenz zu den zeitgleich stattfindenden Bamberger Kurzfilmtagen", sagte Lösche.
Er verstehe auch nicht, und das galt ebenso für seinen Parteikollegen Bernd Fricke, weshalb man 5000 Euro für eine Moderation ausgeben müsse. Normalerweise begrüße man nur kurz auf Lesungen und dann sprächen die Autoren für sich.


Kosten von 110 000 Euro

Am Ende jedoch blieb es bei den zwei Gegenstimmen der Grünen. Die anderen Ausschussmitglieder stimmten dem Literaturfestival und insbesondere dessen Finanzierung in Höhe von maximal 11 000 Euro zu.
Die Gesamtkosten für das jetzt beschlossene Literatufestival werden sich im Übrigen auf rund 110 000 Euro belaufen. Die entsprechenden Fördermittel sind im Wesentlichen bereits bestätigt.