VON Mathias Wiedemann

Schweinfurt — Was vor einer Woche bereits der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig abgesegnet hatte, besiegelte der Stadtrat mit einer Gegenstimme: Die Aufnahmeeinrichtung in den Ledward Barracks wird bis April 2016 um zusätzliche 1000 Plätze erweitert. Dies ist die Gegenleistung der Stadt zu einer Vereinbarung mit der Staatsregierung: Die gibt dafür Askren Manor frei - noch diesen Monat könnte die Stadt das Areal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben BImA kaufen, um dort ein neues Stadtviertel zu entwickeln. Eine Belegung der ehemaligen US-Siedlung mit Flüchtlingen, wie zeitweise von der Staatsregierung erwogen, hätte die Konversionspläne der Stadt in diesem Bereich auf Jahre blockiert.


2,6 Millionen Zeltmiete

Mit den zusätzlichen 1000 Plätzen steigt die Kapazität der Erstaufnahme auf 3110. 600 Plätze entstehen in der Kapelle mit Nebengebäuden und in der Turnhalle, der Rest in Wohncontainern. "Container sind im Moment ein lukrativer Markt", sagte Finanzreferentin Anna Barbara Keck. Sprich: Sie sind teuer. Die Miete für die temporären Unterkünfte werde deshalb für vier Jahre 2,6 Millionen Euro betragen - Geld, das durch die Vermietung an den Freistaat, Betreiber der Aufnahmeeinrichtung, wieder hereinkommen soll.
Die Stadt werde prüfen, ob weitere Plätze durch die Umnutzung bestehender Gebäude gewonnen werden können, so Keck. So stehe nun das Gebäude 212, das bisher die Kantine beherbergte, für andere Nutzungen zur Verfügung. Die Kantine ist - von 160 auf 500 Plätze vergrößert - in Gebäude 228 untergekommen.
Republikaner Richard Graupner beanstandete, dass der Stadtrat bereits zum dritten Mal über eine Erweiterung der Erstaufnahme verhandle, obwohl er in einem früheren Beschluss eine Obergrenze von 2100 Plätzen festgelegt habe.
Dieser Beschluss, so konterte Frank Firsching von der Linken, habe sich auf die ursprüngliche, kleinere Fläche bezogen, er sei mit der Erweiterung auf eine größere Fläche schlicht hinfällig. "Vor drei Jahren haben wir uns alle am Kopf gekratzt, als bekannt wurde, dass die Amerikaner mit 10 000 Menschen gehen und mit ihnen Dynamik und Kaufkraft", so Firsching. Jetzt entwickle die Stadt mit den Plänen für Askren Manor über alle Fraktionen hinweg Perspektiven, und dafür sei er sehr dankbar. "Herr Graupner hat sich nach Jahren wieder zu Wort gemeldet und gezeigt, warum es manchmal besser ist, ruhig zu sein."


Zweite Essensausgabe

Oberbürgermeister Sebastian Remelé sprach von einer "normativen Kraft des Faktischen". Angesichts der weiter bestehenden Ursachen für die Fluchtbewegungen sei es auch Aufgabe der Stadt, sich der sich ständig ändernden Lage anzupassen. Drangvolle Enge werde auch in der erweiterten Aufnahmeeinrichtung vermieden. So soll in der kommenden Woche die zweite Essensausgabe in Betrieb gehen.