Zum Leserbrief "Viel Positives"
(BR vom 21. Dezember) wird uns
geschrieben:

Die tiefgründigen Feststellungen von Gerhard Meyer in seinem Leserbrief über das Kulmbacher Stadtbussystem möchte ich als einfacher Fahrgast verdeutlichen.
•  Der Stadtbus ist kommunikativ: Zu verdanken haben wir dies den Geschäftsleuten der Innenstadt und dem konsequenten Beschluss unseres Stadtrates. Demzufolge wurden im März 2016 einzelne Standorte von Bushaltestellen für die Bauphase am Zentralparkplatz nochmals neu festgelegt (zwingender Halt an der Stadthalle), nachdem Anwohner und Geschäftsleute in Weber- und Klostergasse auf mehrere Probleme aufmerksam gemacht hatten. Das Resultat ist der jetzige große Kreisverkehr, der nach wie vor zu lebhaften Debatten führt.
•  Der Stadtbus ist lehrreich: Obwohl ich den diesbezüglichen Ausführungen - zum Beispiel "das schwarze Loch im fernen All" und "ein paar Hohlräume" - nur bedingt folgen kann, komme ich nicht umhin, den Zentralparkplatz am Modell zu bewundern. Eine sehr gelungene Gestaltung (fast) ohne Autos und zwei zielführenden Zebrastreifen. Selbst in der Bauphase ist man auf die Sicherheit der ein- und aussteigenden Fahrgäste bedacht. Der einzige Zebrastreifen ist gelb durchgestrichen, und - von der Webergasse kommend - steht ein Hinweisschild "Fußgänger benutzen die gegenüberliegende Straßenseite". Bei der einzig zulässigen Überquerungsmöglichkeit an der früheren Gaststätte ist die Straße für den fließenden Verkehr mit Tempo 10 km/h abgesichert.
•  Der Stadtbus ist einfach zu verstehen: Er kommt immer aus der gleichen Richtung und alle 24 Stunden zur gleichen Zeit. Bei der Richtung kommt man nicht auf den Gedanken, auf der anderen Straßenseite einzusteigen. Mathematisch sind die 24 Stunden richtig, wenn man immer zur gleichen Zeit fährt. Die dazwischenliegenden unterschiedlichen Abfahrzeiten sind zwar nicht leicht zu merken, dafür hat man ja den Fahrplan zur Hand.
•  Der Stadtbus ist aktivierend: Bei solch kurzen Entfernungen wie von der Pörbitsch zum Klinikum kann man doch ein halbes Stündchen laufen, anstatt den Umweg über Ziegelhütten und die Stadthalle zu fahren. Auf den Monat hochgerechnet sind das gerade mal etwa zehn Stunden mehr, die fahrplanbedingt als Arbeitnehmer zusätzlich aufzuwenden sind.
•  Der Stadtbus ist eine touristische Attraktion: Als Einheimischer aus der Herlas konnte ich das mehrmals auf der Rückfahrt von der Blaich (Ärztehaus Mönchshofgelände) erfahren. Der Weg über das Klinikum, Ziegelhütten, ZOB, Siedlung und Forstlahm zeigte mir tatsächlich die nördlichsten und südlichsten Teile unserer Stadt. Und das alles in 48 Minuten für einen Euro (Zehnerkarte). Mittlerweise beschränke ich Stadtfahrten wegen der langen Fahrzeit auf das Notwendige.
•  Bedenke: Der Stadtbus ist besser als gar keiner. Hierzu folgender Tipp: Es gibt noch die roten Frankenbusse, die von Kronach und Stadtsteinach kommend im Kulmbacher Stadtgebiet mehrmals halten und nach Bayreuth und wieder zurück fahren. Das ist touristisch (Rotmaintal) und shoppingmäßig (Rotmaincenter) sehr zu empfehlen. Und die Fahrzeit, zum Beispiel von der Bayreuther Straße zum Rotmaincenter, ist kürzer als von der Melkendorfer Straße in die Kulmbacher Innenstadt.
•  Merke: Bissige Satire - als Erinnerung an ein Versprechen bezüglich einer anderen Taktung - ist besser als ohnmächtiges Verharren.
Klaus Erben
Kulmbach