Zwischen Erich Kästners "Nach dem Feuer - die Dummheit" und Martin Niemöllers "Als die Nazi die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, denn ich war ja kein Kommunist..." - die Lesung "verbrannter Dichter" in der Kronacher Synagoge fand zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933 statt. Wie Ingo Cesaro in seiner Begrüßung ausführte, war dies eine Veranstaltung vom und für den Aktionskreis.
Ingo Cesaro ärgerte sich, dass diese Lesung aufgrund der enormen Bedeutung nicht auf größere Resonanz stieß. Alleine durch das Kommen hätte jeder Einzelne "Farbe bekennen" können. "Wir sind die Zeugen und haben die Zeugenschaft übernommen", führte Cesaro aus. "Jetzt möchten wir diese weiter geben an die Generationen nach uns." Doch diese fehlten an diesem Abend.
Unbeeindruckt davon las Odette Eisenträger-Sarter aus "Größtenteils schimpflich - Erlebnisse aus meinen Schul- und Lehrlingsjahren" von Oskar Maria Graf. Bissigkeit und Humor zeichneten einen der beliebtesten und mutigsten Autoren der 20er-Jahre und des deutschen Exils aus. Seine deftige Sprache ließ die Zuhörer schmunzeln.
Ganz anders der Text aus "Berlin Alexanderplatz", den Armin Grötzner nach einer ausführlichen Einführung vortrug. Denn die geistige, soziale, politische und wirtschaftliche Atmosphäre und Stimmung der 20er Jahre in der Großstadt Berlin beeindruckten schon in diesem kleinen Auszug durch die gestalterische Wucht. Keine Frage, Döblins Sprache lässt sich mit James Joyce, Marcel Proust, Thomas Mann und Robert Musil vergleichen.
Schon vor einigen Jahren hatten sich die Beteiligten darauf geeinigt, nicht nur "verbrannte Dichter" vorzustellen. Erinnert sei nur an den Verleger Drexler mit "Rückkehr unerwünscht" oder an Edgar Hilsenrath mit "Der Nazi und der Frisör" und viele andere mehr. Gerade von Überlebenden der Konzentrationslager ließ sich das ganze Ausmaß des Grauens der Vernichtungsmaschinerie erahnen.
Gisela Gülpen las aus der Sammlung "Mich hat Auschwitz nie verlassen" den Beitrag von Helga Pollak-Kinsky, die ihr Überleben im KZ nur dem Glück zuschrieb.
Auch mit wichtiger Einführung las Gisela Lang aus dem Buch "Fremd ist die Stadt und leer ..." von Richard Dove mit Schwerpunkt auf Alfred Kerr, berühmter Theaterkritiker und Essayist, der in Großbritannien Zuflucht vor dem Naziterror suchte. Sprachgewaltig die Beispiele, die Gisela Lang vortrug. Beispiele aus dem Roman "Interessengebiet" des Engländers Martin Amis las Cesaro, der ihn als verstörend bezeichnete. Am eine Szene, in der ein SS-Offizier 100 jugendliche Juden erschoss bzw. mit der Pistole die Schädel einschlug.
Zum Abschluss das Zitat von Martin Niemöller: "Als sie mich abholten, war niemand mehr da, der hätte protestieren können." Cesaro bedankte sich bei den Zuhörern, vor allem bei "seinem" Team, das von Anfang an die Veranstaltung gestaltete. red