von unserem Mitarbeiter Ralf Naumann

Gleisenau/Eltmann — "Oh Gott, nein", winkte Heidi Brix nach der gelungenen "Premiere" noch ab. "Nach dem ganzen Stress brauche ich jetzt erst einmal zwei Wochen Pause." Das war im Juli 2012. Drei Jahre später waren ihre Akkus wieder aufgeladen. Die Vorsitzende der Eltmanner Hundefreunde organisierte ebenso wie die weiteren 64 Mitglieder zum zweiten Mal die bayerische Meisterschaft im Turnierhundesport (THS), von der wirklich alle Teilnehmer begeistert waren - auch die Vierbeiner "Sidney", "Bonita von der Schwarzwaldhöhe", "Royal Grace Adjago", "Merlins" und viele andere.

Wochenlange Vorbereitungen

Heidi Brix, ihr Mann Udo sowie zahlreiche andere Helferinnen und Helfer haben im Gleisenauer Schlosspark wochenlang alles dafür getan, damit sich die knapp 300 Gäste nicht nur wohlfühlen, sondern bei der seit Ende der 80er-Jahre alljährlich ausgetragenen Meisterschaft gute Leistungen abrufen können. Die Sportler kamen aus Dachau, Wolnzach, Lauf an der Pegnitz, Schwabmünchen, Hof, Kitzingen, Wonfurt, Lichtenfels und weiteren Orten im Freistaat. Mit Erfolg: In den einzelnen Disziplinen, wie etwa den Geländeläufen über zwei und fünf Kilometer am und auf dem "Ebelsberg" oder den Vierkämpfen auf der Schlosswiese, gab es an den zwei Wettkampftagen gute Ergebnisse (siehe www.hundefreunde-eltmann.de). Natürlich waren auch einige Lokalmatadoren am Start, die wie alle anderen Teilnehmer eine Begleithundeprüfung, einen Sachkundenachweis sowie drei Qualifikationsprüfungen (Mindestpunkte) vorlegen mussten.
Wie zum Beispiel Jana Thomann mit ihrem "Spike", einem siebenjährigen Australian Shepherd Mischling. Sie nahm zusammen mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Paula und Katharina Büttcher im Team "ThoBüManns" am "Combinations-Speed-Coup" (CSC) teil, einem in drei Sektionen aufgeteilten Staffellauf. Die Leistung war durchwachsen, denn die Eltmanner Youngsters schrammten diesmal knapp am Podest vorbei und wurden in ihrer Altersklasse vierte.
Doch Jana, die schon mehrere Titel geholt hat, ist optimistisch für weitere Wettkämpfe. Seit ihrem siebten Lebensjahr ist die heute 13-jährige Schülerin aus der Wallburgstadt bei den Hundefreunden aktiv. Ihr gefällt vor allem "das Zusammensein mit dem Hund." Jana liebt es außerdem, ihrem "Spike" Tricks und Gehorsam beizubringen. "Geduld, Spaß, Freude mit dem Hund zu arbeiten und zu trainieren" sind ihrer Meinung die wichtigsten Voraussetzungen für den Sport.
Ihre Freundin Katharina Büttcher, nimmt zwar erst seit 2012 richtig am Vereinsleben teil. Doch mittlerweile ist die 14-Jährige eine Hundefreundin durch und durch begeistert. "Schuld" daran ist Mutter Heike, die ihrer Tochter nicht nur den Border-Mix "Jenna", sondern gleich noch einen Kurs bei den Hundefreunden geschenkt hat. "Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und so bin ich dabei geblieben", sagt Katharina. Hundesport ist für das Mädchen "ein guter Ausgleich zum stressigen Schulalltag. Man bewegt sich und hat Spaß mit seinem Liebling. Außerdem", fügt sie hinzu, "bereitet es mir einfach große Freude. Und bei den Turnieren ist man öfter ja auch erfolgreich."
Das war am Wochenende nicht anders. Katharina, die in ihrer Altersklasse unter anderem bereits mehrfach Erste im 2000- und 5000-Meter-Geländelauf, im Hindernislauf sowie im Vierkampf wurde und als amtierende bayerische sowie deutsche Meisterin an den Start ging, konnte ihre Titelsammlung erweitern. Auf ihren Paradedisziplinen 2000 und 5000 Meter lief sie in ihrer Altersklasse mit Border Collie "Lucky" jeweils auf den ersten Platz.
Im Gegensatz zu Jana und Katharina ist Sieglinde Rünagel mit ihren 58 Jahren schon ein "alter" Hase. Zusammen mit ihrem französischen Hirtenhund (Beauceron), dem dreieinhalbjährigen "Anakin les Chasseurs de la Fore´t Noire", nahm sie am "Vierkampf drei" teil. Mit Erfolg: Rünagel, die zwar in Trosdorf lebt, aber schon seit 13 Jahren bei den Eltmanner Hundefreunden aktiv ist, belegte den dritten Platz. "Am meisten war ich vor der Unterordnung aufgeregt, denn jeder Punkt zählt", schnaufte sie am Ende kräftig durch. Dabei konnte sie damit rechnen, wieder gut abzuschneiden. Immerhin hat Sieglinde Rünagel schon einige Titel auf ihrem persönlichen Erfolgskonto: Zusammen mit "Farouk", ihrem zehn Jahre alten zweiten Beauceron, wurde sie unter anderem unterfränkische Meisterin, bayerische Vizemeisterin und landete bei deutschen Titelkämpfen beim Vierkampf (VK) drei in der Altersklasse W50 bereits auf den Plätzen vier und fünf. Mit "Anakin" gewann sie auf bayerischer Ebene die Landesmeisterschaft im VK zwei und wurde unterfränkische Meisterin im VK drei. "Ich möchte so lange wie möglich aktiv mit meinen Hunden im THS bleiben", benennt sie klar ihr Ziel für die kommenden Jahre. Sich zur Ruhe zu setzen komme nicht in Frage. Im Gegenteil: "Ich will in den Laufdisziplinen schon noch ein bisschen schneller werden", lacht sie. Der Spaß ist bei der 58-Jährigen noch groß. Rünagel hat einfach Gefallen am Turnierhundesport. "Alle Disziplinen müssen wir zusammen ausführen. Es ist ein Miteinander."
Auch die übrigen Teilnehmer der Eltmanner Hundefreunde erbrachten gute Leistungen. Erste Plätze gab es noch für Günter Hofmann und "Merle" (VK eins), Mario Gawron und "Babsi" (VK drei) sowie für Heidi Brix und "Maddox" (2000 Meter). Den zweiten Platz erreichten Paula Thomann und "Sina" (2000 Meter) ebenso wie Alexander Strehler und "Edi" (5000 Meter). Mario Gawron, Sascha Brix und Franziska Düring erzielten beim CSC den hervorragenden dritten Platz.
Nicht ganz aufs Treppchen schafften es dagegen Franziska Düring und "Josy" (VK zwei) und die beiden CSC-Mannschaften Günter Hofmann, Sabrina Coufal und Steffi Brix sowie Jürgen und Christine Thomann zusammen mit Sabrina Muth. Nicht zu vergessen Isabel Passoni vom VfH Wonfurt. Mit "Fly" gewann sie beim 2000-Meter-Lauf in ihrer "bis W14".
Der 76-jährige Fred Jung vom HSF Kitzingen erreichte beim 2000-Meter-Lauf den zweiten Platz.
Alles in allem eine rundum gelungene Veranstaltung im Glei-senauer Schlosspark, meint Hartmut Preuß aus München. Seit eineinhalb Jahren ist der 58-Jährige Vize-Präsident des Bayerischen Landesverbandes für Hundesport. "Es war hervorragend, auch die Aufnahme durch den Bürgermeister (Walter Ziegler, d. Red.). Das ist das, was Hundesportler brauchen: Runter von ihren Hundeplätzen und zeigen, was im Hundesport möglich ist und dass Hunde sozialisiert sein können", betonte der verantwortliche Prüfungsleiter. Ein Sonderlob gab es von Preuß, selbst seit drei Jahrzehnten aktiver Hundesportler, noch für das Ambiente. "Optimal, einfach eine hervorragende Gegend. Es war wunderbar, in solch einer Schlossanlage mit Tieren zu arbeiten."
Über eine Tatsache ärgert sich Heidi Brix dann doch noch: 2012 hatten sie und die Helfer bei den Vorbereitungen auf die Hundemeisterschaft "keine Hinterlassenschaften der Hunde vorgefunden". Das war diesmal anders. "Obwohl jetzt Kotbeutel-ständer bereitstehen, lag sehr viel rum", bedauert sie. "Das wird jetzt hoffentlich nicht unseren Hunden in die Schuhe geschoben", hofft die Vorsitzende.