Bernd A. Windsheimer

Während die wenigen Husareneinheiten unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (regierte von 1713 bis 1740) Kundschafter-, Post-, Melde- und Wachtdienste zu übernehmen hatten, vermehrte sie Friedrich der Große auf zehn Regimenter.
Neben Aufklärungsdiensten im Feindesland wurden sie vermehrt als Schlachtkavallerie eingesetzt und haben unter ihrem legendären Führer Hans Joachim von Zieten ("Zieten aus dem Busch") manche militärische Entscheidung herbeigeführt. Der Legende nach wird der König nach der Schlacht von Torgau 1760 zitiert: "Er (Zieten) hat mein Preußen gerettet". Damals konnte er die schon verloren geglaubte Schlacht durch den kühnen Einsatz seiner Husaren noch wenden.


Bei den Husaren

Neben der farbenprächtigen Uniform und der etwas legeren Disziplin machte auch die Möglichkeit, als Bürgerlicher einen Offiziersrang einzunehmen, den Dienst bei den Husaren äußerst attraktiv. Wie der Gemeine führte der Offizier neben einem Säbel zwei lange Pistolen zu beiden Seiten des Sattels in einem ledernen Holster. Meist unterschieden sie sich wenig von dem für die Mannschaft eingeführten Steinschloss-Modell von 1742. Nur finanziell gut situierte und deshalb meist adelige Offiziersränge konnten sich hochwertige Schusswaffen leisten.
Dazu gehört die Pistole aus der Zeit um 1770: Mit einer Gesamtlänge von 568 Millimetern gleicht sie fast völlig dem husarischen Mannnschaftsmodell, unterscheidet sich aber davon durch die eckigen Ladestockröhrchen, die der Kürassierpistole entlehnt sind, und der fehlenden Fangriemenöse.


Drei Merkmale

Drei Merkmale weisen die Pistole explizit als Offizierswaffe aus. So ist die Griffkappe facettiert und schließt mit einem Maskaron-Kopf ab. Das Daumenblech mit der überkrönten "FR"-Chiffre für Fridericus Rex hat eine ungewöhnlich lange Form und ist mit einem Stichel äußerst grazil gestochen. Alle Messingteile sind fein versilbert, was noch zur Hälfte erkennbar ist.
Nach bisherigem Kenntnisstand dürfte es sich um die einzige Offizierspistole aus friderizianischer Zeit handeln, die nicht der laufenden Produktion der Mannschaftswaffen entstammt, die nachträglich veredelt wurde, sondern um eine Spezialfertigung aus der halbstaatlichen Manufaktur in Potzdam.
Diese wurde 1722 gegründet und unterstand bis 1775 dem Handelshaus Splittgerber und Daum, was auf dem Schlossblech durch die Kürzel "S et D" und "POTZDAMMAGAZ" ausgewiesen ist.
Obwohl die Husaren die einzigen in der friderizianischen Armee waren, die die Schusswaffe auf dem Pferd verwenden durften, blieb die Hauptwaffe der leicht gekrümmte Säbel. Er wurde für Offiziere erst in den 1760er-Jahren reglementiert. So dürfte die Pistole im Felde kaum Verwendung gefunden haben, was auch den hervorragenden Zustand erklärt.