Lichtenfels — Auch die Musiker der "Songs an einem Sommerabend" mussten einmal klein anfangen und ihr Instrument von Grund auf lernen. Nicht jeder weiß sofort, welches zu einem passt. In so einem Fall hilft es, verschiedene Instrumente ausprobieren zu können. Am vergangenen Samstag luden die Musiklehrer der Heinrich-Faber-Musikschule Lichtenfels in den Räumen der Herzog-Otto-Mittelschule zum Tag der offenen Tür. Nach kurzer Zeit und unter professioneller Anleitung konnten viele ihre ersten Töne erklingen lassen - was auf einem Klavier wesentlich schneller ging als auf einer Trompete. Bei den Blechbläsern fand sich gleich ein ganzes Ensemble junger Musiker zusammen: Julius (3) an der Altposaune, seine Schwester Sara (6) an der Trompete und ihre Freundin Julia (7) an der Tenorposaune hatten bei ihrem spontan gegründeten Trio sehr viel Spaß. Blechblasinstrumentenlehrer Zdenek Fiala leitete an, korrigierte hin und wieder die Haltung. Neben den genannten Instrumenten unterrichtet er auch Euphonium, Tuba und Waldhorn.

Start im frühen Kindesalter

Seit einigen Jahren gibt es die Blechblasinstrumente aus Kunststoff, die vom Gewicht leichter und somit gut geeignet für Kinder sind. Abgesehen davon sind sie mit ihren knalligen Farben ein echter Hingucker. Julia und Sara haben vor den Blechblasinstrumenten schon die Violine ausprobiert - das Instrument, das sie von Anfang an kennenlernen wollten. Lehrerin Gerda von Wechmar hatte im Unterrichtszimmer eine kleine Sammlung von Geigen, von einer kleinen 1/4-Geige bis zur normalgroßen 4/4-Geige. Durch die verschiedenen Größen können Schüler schon ab einem frühen Kindesalter damit beginnen, Violine zu lernen. Die Musikschule verleiht alle Instrumente gegen eine monatliche Gebühr. Als die zehnjährige Moni die Geige in die Hand nahm, sah das so aus, als wäre die Geige schon seit langem ihr Instrument. Wer ein größeres Streichinstrument lernen möchte, kann bei Johannes Keltsch Cello-Stunden nehmen.
Später probierte Moni auch eine der Klarinetten, die Lehrer Manfred Henkel mitgebracht hatte. Er erklärte, dass ein Saxophon grundsätzlich durch seine konische Form etwas leichter zu spielen sei als eine Klarinette. Wer aber an beiden interessiert sei, sollte mit Klarinette als Grundlage beginnen.

"Tok-Tok"

Beliebt war an diesem Tag das Schlagzeug. Immer wieder tönte ein gleichmäßiges Tok-Tok oder ein Trommeln durch die Aula, denn gleich an drei Standorten war ein Schlagzeug platziert. Nicht nur bei Manfred Henkel, der neben Klarinette und Saxophon auch Schlagzeug lehrt, sondern auch in einem der Klavierräume und bei Schlagzeuglehrer Vladimir Sigarev, der umgeben von allerlei Percussion-Instrumenten vom Cajon bis zum großen Xylophon in die Welt des Schlagzeugs einführte.
Anders als das Schlagzeug hat das Akkordeon mit einem Imageproblem zu kämpfen. Viele assoziieren das "Schifferklavier" nur mit Volksmusik. Dabei sei es ein sehr vielseitiges Instrument, erklärte Lehrer Harald Kotschenreuther - und gab gleich eine Kostprobe. Mit den 45 Tasten und 120 Knöpfen ließ er mit dem großen Akkordeon spontan eine südamerikanische Atmosphäre entstehen. Vier Oktaven Umfang hat ein großes Akkordeon, was auch den Zugang zu klassischer Literatur erleichtert. Dass auch schon ganz Kleine mit dem Akkordeon umgehen können, bewies der vierjährige Ben. Er lächelte freudig nach den ersten selbstgespielten Tönen und hörte ganz aufmerksam zu, als Harald Kotschenreuther ihm das Mini-Akkordeon erklärte.
Trotz der Begeisterung vieler Kinder für die Musik habe die Zahl der Schüler in den letzten Jahren abgenommen, vor allem seit das achtstufige Gymnasium eingeführt worden sei, so Thomas Meyer, der Klavier, Keyboard und Orgel unterrichtet. Neben ihm saß die elfjährige Alexandra, die sich sehr für das Klavier interessierte. Eine Freundin, die schon Klavier spielt, hatte bei ihr die Neugier für das Klavier geweckt.
Was man an der Musikschule in kurzer Zeit lernen kann, zeigten Paulina (9) an der Querflöte und Sophia (8) mit der Gitarre. Paulina lernt seit zwei Jahren bei Susi Schliefer und präsentierte beschwingt eine Sonate von Mozart. Ihre Begeisterung ist sogar auf ihre Mutter übergesprungen und Paulina hat ihr zu Hause schon einiges auf der Flöte beigebracht. Sophia hat das Frankenlied zum Unterricht mitgebracht, das sie in der Schule kennengelernt hatte und daraufhin auf der Gitarre lernen wollte. Musikschulleiter und Gitarrenlehrer Reinhard Arnold (auch E-Gitarre, Bass, Ukulele und Blockflöte) lobte eine solche Eigeninitiative. Den Spaß am Spiel hörte und sah man bei Paulina und Sofia. Klavier- und Gesangslehrerin Stella von Arnold-Havadi betonte, dass das Wort "Klavierspiel" auf "spielen" hinweise und nicht auf Druck. Regelmäßig zu üben sei aber wichtig, und wenn es auch nur ein paar Minuten am Tag seien: "Eine Viertelstunde etwas zu machen, ist wirklich viel."

"Jugend musiziert"

Die Schüler spielen ein Sommer- und ein Winterkonzert, außerdem gibt es immer wieder Gelegenheiten, bei Veranstaltungen der Stadt zu spielen, zum Beispiel der Museumsnacht. Die Schüler können in Ensembles oder Musiktheaterprojekten wie "Starlight Express" oder "Die Zauberflöte" mitwirken. Außerdem gibt es die Möglichkeit, nicht nur Instrumentalunterricht zu bekommen, sondern auch einmal in der Woche etwas über Musiktheorie zu lernen. Das theoretische und praktische Wissen können die Schüler dann in Prüfungen unter Beweis stellen. Manche nehmen auch an Wettbewerben wie "Jugend musiziert" teil. Wer sich am Tag der offenen Tür noch nicht ganz sicher war, kann eine kostenlose Schnupperstunde vereinbaren oder das "Instrumentenkarussell" nutzen, bei dem man vier Wochen lang ein Instrument spielt und dann wechselt.