Das Thema Zeit ist ein heikles. "Manche Kunden glauben, wir montieren die Reifen wie bei der Formel Eins. Aber es geht schon mal damit los, dass die nur eine Schraube lösen müssen und wir fünf."
Thomas Zimmermann, Serviceberater im Autohaus Gelder & Sorg in Haßfurt, ist ein Reifenfachmann durch und durch. Der Kraftfahrzeugtechniker und seine Kollegen starten gerade mit Vollgas in die Reifenwechsel-Saison. Allein für diesen Freitag sind 60, für Samstag 45 Montagen von Reifensätzen geplant. Im Akkord, versteht sich.


Sicherheit braucht Zeit

"So ein Wechsel dauert mindestens 30 Minuten", erklärt Thomas Zimmermann. Denn die Mechaniker stecken nicht nur die Reifen, sie prüfen auch die Sicherheit des Fahrzeuges. Sind die Bremsscheiben in Ordnung? Der Bremssattel nicht abgefahren? Ganz zu schweigen von der Profiltiefe und dem Zustand der Reifen. Vor dem Aufstecken wird außerdem die Radnarbe gereinigt. Das Auto wird nicht einfach auf der Hebebühne hochgefahren, sondern zusätzlich aufgebockt. Und dann muss das Reifendruckkontrollsystem (seit 2014 bei Neuwagen Pflicht) die neuen Räder auch noch akzeptieren und darf keinen Fehlalarm auslösen.
Als ein besonderes Ärgernis empfindet Zimmermann die Radsicherungsschrauben. Mit diesem "Relikt aus den 90er Jahren" (so Zimmermann) wollen Alufelgen-Besitzer selbige vor Diebstahl schützen. "Aber heutzutage sind die für professionelle Diebe kein Hindernis mehr", sagt Zimmermann.
Um die Radsicherungsschrauben zu öffnen, benötigt man eine spezielle Sicherheitsnuss. "Weil die früher nicht genormt war, muss die Sicherheitsnuss im Auto verbleiben. Ist sie nicht auffindbar, wird es für uns schwierig", führt Zimmermann aus. Auf bekommen die Mechatroniker die Reifenschrauben irgendwann - aber es kostet sie zusätzliche Zeit.
Apropos Zeit: Sind Ganzjahresreifen vielleicht eine Möglichkeit, sich den ganzen Aufwand zu sparen? Entschieden schüttelt Zimmermann den Kopf, lenkt aber ein: "Höchstens, wenn Sie nur 3000 Kilometer im Jahr fahren und bei schlechtem Wetter zu Hause bleiben."
Ansonsten seien Allwetterreifen ein schlechter Kompromiss. "Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Solche Reifen sind der Versuch, eine möglichst große Schnittmenge zwischen den Eigenschaften eines Winter- und eines Sommerreifens zu finden."
Ein gutes Stichwort: Was passiert eigentlich, wenn man im Sommer mit Winterreifen unterwegs ist? Jetzt muss Zimmermann ausholen. "Ein Winterreifen hat viel Grip und ist dafür lamellenartig aufgebaut. Ein Sommerreifen dagegen hat breite Längsrillen, damit er bei Aquaplaning durchs Wasser tauchen kann." Dazu bestünden die Reifen aus hoch technisierten Gummimischungen, die für das jeweilige Einsatzgebiet geeignet seien. Ein Winterreifen entfalte bei Temperaturen unter sieben Grad Celsius sein Können bei Haftung und Bremswirkung.
Zimmermann empfiehlt alle sieben Jahre neue Reifen - auch, wenn die Profiltiefe (bei Winterreifen liegt die Grenze bei vier Millimetern, bei Sommerreifen bei 1,6 Millimetern) noch ausreichend ist. "Das Gemeine ist, dass Naturkautschuk mit der Zeit brüchig und rissig wird, egal wie viel der Reifen gefahren worden ist."
Warten eigentlich viele Kunden zu lange, bis sie sich neue Reifen leisten? Ein Reifen in guter Qualität kostet immerhin durchschnittlich 80 Euro.
Die Antwort auf die Frage kann Zimmermann nach 20 Jahren Berufserfahrung meist vom Zustand des Fahrzeuges ableiten. "Gepflegte Fahrzeuge haben meist auch gute Reifen. Autos, die nur als Lastenesel für die Beförderung von A nach B gebraucht werden, weniger. Und die Reifen an tiefer gelegten Autos sind oft sehr einseitig, bis aufs Gewebe, abgefahren."


Der richtige Zeitpunkt

Abschließend noch die Frage aller Fragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Reifenwechsel? "Das kommt immer auf die aktuellen Wetterverhältnisse, aber auch auf die Pläne an. Wer plant, in den Osterferien nach Österreich zu fahren, muss dort mit Eis und Schnee rechnen. Also lieber die Winterreifen dran lassen", rät der Fachmann.