Josef Gehringer hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, einen Nachfolger zu finden. Seit 20 Jahren steht er dem örtlichen Obst- und Gartenbauverein vor, ist jetzt 63 Jahre alt. Ein ganzes Jahr lang hatte er an Jüngere appelliert, sich doch bereit zu erklären, diese Aufgabe zu übernehmen. Er hat gezielt Leute angesprochen - ohne Erfolg. Jetzt ist er enttäuscht. "Keiner möchte Verantwortung übernehmen", sagt er.


Kollektives Kopfschütteln

Rund 150 Mitglieder hat der Verein Uetzing-Serkendorf. Einiges konnte in der Vergangenheit gemeinsam angepackt werde. Man ließ beispielsweise ein Wegmarterl vom Steinmetz sanieren und einen Brunnen für 4500 Euro erneuern. Um den Blumenschmuck unterhalb des Friedhofes kümmern sich Mitglieder des Vereins. Aber als es in der jüngsten Jahreshauptversammlung bei den anstehenden Neuwahlen um die entscheidende Frage ging, gab es nur Kopfschütteln unter den Teilnehmern, zu 90 Prozent Ältere.
Michael Stromer, der Kreisfachberater, war da. Er ist Ansprechpartner für die über 90 Gartenbauvereine im Landkreis. Nachdem sich auch nach längerer Diskussion niemand zur Übernahme eines Vorstandspostens bereit erklärt hatte, empfahl er, den Verein zunächst einmal ein Jahr ruhen zu lassen und sich dann noch einmal zusammenzusetzen. So will man es nun halten. Immerhin: Der Seniorennachmittag um den Nikolaustag, der fest zum Jahresprogramm gehört, scheint gesichert. Martina Weidner erklärte sich spontan bereit, mit dem Stammtisch "Metzgerbräu" wieder den Osterbrunnen zu schmücken.
In der Satzung wurde festgelegt, dass bei Vereinsauflösung das Guthaben an die Stadt Bad Staffelstein geht und zweckgebunden in Uetzing oder Serkendorf verwendet werden muss. Alle anwesenden Vereinsvorstände brachten die Hoffnung zum Ausdruck, dass es nicht so weit kommen, sondern nach dem Jahr Pause weitergehen möge. Der Ort brauche einen Gartenbauverein, es gebe viel zu tun. Dass es anderen Gartenbauvereinen ähnlich ergeht, mag ein schwacher Trost sein. Es ist gleichzeitig ein Alarmsignal, dass das, was Altlandrat Reinhard Leutner vor zehn Jahren als "die größte Bürgerinitiative in unserem Land" bezeichnet hatte, auf dem Spiel steht.


Dorfverschönerung

Er meinte den Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft", in dem es so viele Erfolge im Landkreis Lichtenfels zu feiern gab. Doch selbst in Großziegenfeld, das Gold auf Bundesebene erreichen konnte, gibt es rund zehn Jahre nach dieser Gemeinschaftsleistung keinen Gartenbauverein mehr. Auch in Obersdorf entschied man sich für die Auflösung, und in einigen weiteren Orten ist man im Hinblick auf bevorstehende Neuwahlen ebenfalls nicht gerade zuversichtlich. Sogar in Pfaffendorf, wo die stellvertretende Kreisvorsitzende Maria Wiehle dem Ortsverein vorsteht. In drei Jahren wäre sie 36 Jahre an der Spitze, und aus ihrer Sicht wäre es Zeit für einen Wechsel. So rührig die Gruppe auch ist, für die Führungsrolle fühlt sich offenbar niemand berufen. "Es geht immer nur um den Vorsitz", sagt Wiehle.
Landrat Christian Meißner (CSU) empfindet die Auflösung von Gartenbauvereinen als schmerzlich. "Das ist zum Teil der veränderten Situation draußen auf den Dörfern geschuldet." Als Kreisvorsitzender liege ihm das Wirken der Gartenbauvereine sehr am Herzen. "Leider gibt es kein Patentrezept, um den Fortbestand zu sichern", sagt er. "In der Vorstandschaft des Kreisverbandes werden wir das Problem noch stärker in den Fokus nehmen, um gemeinsam Lösungen zu finden."
Vielleicht findet ja der ein oder andere Appell, den Vorsitz zu übernehmen, doch noch Gehör. Man dürfe nicht verhehlen, dass man Zeit investieren muss, sagt Maria Wiehle. Aber es sei eine schöne Arbeit, betont sie. "Sonst hätte ich das nicht so lange gemacht. Es beflügelt einen, was man in einem Ort erreichen kann."