Der Bericht des Seniorenbeauftragten hätte auch die Überschrift "Die Bänke des Doktor Landendörfer" haben können. Denn der Seniorenbeauftragte der Marktgemeinde Heiligenstadt, Peter Landendörfer (WG), ist auch praktizierender Arzt. Deshalb weiß er, wie wichtig es für alte Menschen ist, dass sie aus ihrer Wohnung heraus kommen, sich bewegen und dadurch auch nicht vereinsamen.
"Die Vereinsamung von Menschen zu sehen, wenn ich Hausbesuche mache, das ist wirklich schlimm für mich", erzählt der Arzt aus seiner Praxis. Und macht seinen Kollegen im Gemeinderat klar, dass sie sich gar nicht vorstellen können, dass man im Alter halt alle 100 Meter eine Bank braucht, um kurz verschnaufen zu können. Deshalb hatte er 2011 die Aktion "1 auf 100" ins Leben gerufen. Seither sind 41 Bänke aufgestellt worden. Doch wünscht sich Landendörfer deutlich mehr Bänke an Geh- und Radwegen. Oder auf den Wegen zur Kirche oder dem Friedhof.


"Macht für eure Alten was"

"Ich bin im Herbst die Ortschaften abgefahren. In Teuchatz zum Beispiel gab es bis zum Kreuz keine Bank", zeigte der Arzt auf. Feuerwehren und Waldbauern hätten Geld in ihren Kassen. Eine Bank koste nur 120 Euro. "Macht für eure Alten was, das ist gelebte Seniorenarbeit", rief Landendörfer in die Runde. Außerdem sei er dafür, dass das alte "Hausbänkla" vor dem Haus wiederbelebt werden solle.
Damit die alten Menschen auch hinausgehen würden, müsse das Umfeld entsprechend geschaffen sein.
Der Seniorenbeauftragte zeigte auf, dass die fußläufige Erreichbarkeit sehr wichtig sei. 37 Prozent der Senioren würden die Wohnung verlassen, um einzukaufen, 26 Prozent zur Erholung, 14 Prozent zur Gesundheit, 13 Prozent zwecks dem sozialen Austausch und sieben Prozent würden kulturelle Ereignisse besuchen. "Ich bin für jeden Laden in Heiligenstadt dankbar. Aber der Marktplatz ist mit Rollstuhl ein mittlerer olympischer Parcours", so Landendörfer. Das Nachbarschaftsleben müsse gefördert werden und die quartierbezogene Identität. Die Bedeutung des Wohnumfeldes würde immer stärker werden, da die Zahl der älteren und hilfebedürftigen Menschen zunimmt, ebenso wie die Fragilität der Angehörigenpflege und die Zerbrechlichkeit von innerfamiliären Netzwerken.
Deshalb fordert der Seniorenbeauftragte den Abbau von Barrieren auf Straßen, Wegen und Plätzen; die Wiederbelebung des Marktplatzes als Herzstück für soziales Leben und den Erhalt und Ausbau eines fußläufigen Angebots von Einzelhandel und Dienstleister. Außerdem wünschte er sich einen Raum im Rathaus, in dem VdK-Beratungen durchgeführt werden könnten.
"Jeder Verein kommt auf uns zu und braucht Räumlichkeiten", antwortete Bürgermeister Helmut Krämer (CSU). Doch im Rathaus gebe es in dieser Hinsicht eh schon Notstand. Georg Bittel (BN) schlug vor, den Sitzungsraum zur Verfügung zu stellen. "Der wird aber für Trauungen und Besprechungen gebraucht. Außerdem ist er im zweiten Stock. Da bekommen wir alte Leute sicher nicht rauf", entgegnete Krämer.
Zweite Bürgermeister Hans Göller (SPD) warf ein, dass es nicht nur gebrechliche Alte fürs "Bänkla" gebe, sondern aktive Senioren, denen man vielleicht eine andere Aufgabe geben könnte wie Rasenmähen oder Busfahren. "Da hast du bei mir ein großes Scheunentor geöffnet und läufst leer durch", antwortete Landendörfer. Denn viele Senioren würden sich nichts trauen, weil sie Angst hätten, da könnte was passieren. "Und 100 Meter zu laufen sind für uns beide Junge kein Problem, das wird sich aber mal ändern", so der Seniorenbeauftragte.