Der Ortsverein Kronach der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sprach im Schützenhaus zahlreichen Jubilaren Dank und Anerkennung für ihre langjährige Treue aus. Zum Ehrungsabend konnte Ortsvereinsvorsitzender Wolfgang Schmitt etliche Ehrengäste begrüßen, ein Großteil der Jubilare war allerdings nicht erschienen. Die 2. Bürgermeisterin von Kronach, Angela Hofmann, entbot die Grüße des Bürgermeisters Wolfgang Beiergrößlein und hieß Jubilare und Ehrengäste in der Lucas-Cranach-Stadt willkommen. Sie gratulierte und dankte den Jubilaren. Es sei gerade für sie ein großer Tag, denn ihr jahrzehntelanger Einsatz ging dahin, die Gesellschaft weiterzuentwickeln: "Sie haben sich für Gerechtigkeit und Fairness und für gute Arbeit eingesetzt, was man immer neu erarbeiten muss", sagte Hofmann.
Der katholische Betriebsseelsorger Eckhard Joe Schneider ist ein leidenschaftlicher Kirchenmann, aber auch schon über 30 Jahre der Gewerkschaft treu. "Wie passen Rot und Schwarz zusammen?", scherzte er und erklärte, dass die katholische Kirche mit ihrer sozialen Bewegung ein Teil in der Arbeitswelt sei. Schneider weiter: "Meine Aufgabe ist kein Zuckerschlecken, zumal ich am meisten gefragt bin, wenn es drückt und wehtut, wie derzeit in Bayreuth, wo Hunderte von Arbeitsplätzen bei BAT (British American Tobacco) abgebaut wurden." Er sei an den Sozialverhandlungen beteiligt und müsse von schweren Einzelschicksalen erfahren: "Auch hierbei helfen Gewerkschafter, die mit ihrer Solidarität Mut machen, und ein Gefühl geben, nicht allein gelassen zu werden. Weitere Grußworte entboten der Bezirkschef von Verdi Oberfranken-West, Harald Kober, und der Regionsvorsitzende im DGB Oberfranken-West, Mathias Eckardt. Gastgeber Wolfgang Schmitt von Verdi Kronach freute sich besonders, wieder die Geschäftsführerin von Verdi Oberfranken-West Doris Stadelmeyer als Festrednerin gewonnen zu haben. "Arbeit ist Menschenrecht, sie muss aber auch menschenwürdig gestaltet und bezahlt werden", so Schmitt. Stadelmeyer dankte den Jubilaren und blickte zurück in die Jahre ihres Eintritts in die Gewerkschaft, vor 60, 50, 40 bzw. 25 Jahren. "In jenen Jahren war Gewerkschaftsarbeit nie einfach, man kann aber auf viele Erfolge stolz sein, ohne Gewerkschaft gäbe es viele soziale Errungenschaften nicht. Auch die Gegenwart und Zukunft hat ihre besonderen Herausforderungen. Viele Gewerkschaftsmitglieder sind in Hilfsorganisationen für die Asylsuchenden engagiert, darauf kann Verdi stolz sein. Aber es werden auch Ängste durch die Rattenfänger der ,Alternative für Deutschland‘ (AfD) heraufbeschworen, dabei ist AfD krass arbeitnehmerfeindlich. Hier hilft nur Aufklärung." Ein großes Problem sei die gesetzliche Rente, die derzeit direkt in die Altersarmut führe, wie sie anhand von Studien aufzeigte. Auch der gesetzliche Mindestlohn von derzeit 8,50 Euro, auch wenn er auf 8,84 Euro pro Stunde ansteigen sollte, reiche nicht aus und führt in jedem Fall in die Grundsicherung.


"Wir bauen auf eure Erfahrung"

An die Jubilare gewandt meinte die Geschäftsführerin, "wir bauen weiter auf eure Erfahrung und euer Wissen, andererseits auf die Unbekümmertheit der Jugend. Ältere Arbeitnehmer bis hin zu Senioren müssen solidarisch bleiben, wenn es um die Zukunft geht", so Stadelmeyer abschließend. Die Feier wurde musikalisch von Stefan Hofmann mit Gitarre und Gesangsbeiträgen umrahmt. Seine Texte von Arbeiterliedern gingen unter die Haut. Doris Glück bereicherte die Ehrungsfeier mit einem Gedichtvortrag von Bertold Brecht. Jubilar Dieter Griesshammer, der für 50-jährige Treue geehrt wurde, war von 1961 bis 1999 im Postdienst, zuletzt im Betriebsleiterdienst tätig. Seine größten Herausforderungen in seinem langen Arbeitsleben seien die zweimalige Umstellung der Postleitzahlen und die Umstellung auf EDV gewesen. Er erinnerte sich aber auch an die Rentenauszahlungen, denn der Schalterbeamte hatte auch Postbankgeschäfte zu erledigen.
Die Verdi-Jubilare kamen aus den ehemaligen Gewerkschaften, ÖTV, HBV, DAG und IG Medien. Es wurden geehrt: 60 Jahre Treue: Erwin Zenk. Für 50 Jahre Treue: Joachim Bauer, Dieter Griesshammer, Fraenki Jakob, Helmut Trebes, Ludwig Zech. 40 Jahre: Helmut Böhnlein, Bernd Geiger, Jürgen Höfner, Dagmar von Olk-Schaffranek, Hans-Dieter Schütz. 25 Jahre: Markus Blüchel, Udo Brandl, Christina Braun, Antje Franz, Franziska Greser, Andreas Kristek, Diana Kulms, Bernd Schubert, Olaf Schubert, Ute Wiesel, Frank Wiesmann.
Karl-Heinz Hofmann