von unserer Mitarbeiterin Ulrike Langer

Haßfurt — Dass er ein so hohes Alter erreicht hat, begründete Guiseppe Cherchi aus Haßfurt, der am gestrigen Freitag seinen 95. Geburtstag feierte, mit den guten Genen seiner Familie. "Mein Vater wurde schon 97 Jahre alt, und drei meiner Brüder erreichten ein Alter von weit über 90 Jahren", erzählte der Jubilar, dem gestern auch der stellvertretende Landrat Michael Ziegler und Bürgermeister Günther Werner die Glückwünsche zum Geburtstag überbrachten.

Wie bei der Mama daheim

Guiseppe Cherchi wurde in Banari auf Sardinien geboren und kam während seines Einsatzes im Krieg in deutsche Gefangenschaft. Heute weiß der Jubilar zwar nicht mehr den Ort, an dem er sich aufhalten musste. Doch dass er auf einem Bauernhof arbeitete und dass die Bauernfamilie die Kriegsgefangenen sehr gut behandelte, ist ihm im Gedächtnis geblieben. "Es war wie bei meiner Mama" erzählte er.

Einer der ersten Gastarbeiter

Nach Kriegsende kehrte er nach Hause zurück, wo er auf dem Bauernhof seiner Eltern arbeitete. "Eines Tages hing im Dorf ein Plakat, auf dem für Arbeit in Deutschland geworben wurde", erinnerte er sich. Zusammen mit sechs weiteren Dorfbewohnern meldete er sich als Arbeitskraft nach Deutschland.
Nach der ärztlichen Untersuchung in Verona kam er 1960 nach Haßfurt, wo er bei in der Färberei Firma Mölter 25 Jahre tätig war. "Ich wollte ja nach einiger Zeit wieder nach Hause zurückkehren, doch meine Mama sagte: ,Bleib, wo Du bist‘", erinnert sich der Jubilar. Denn auf Sardinien sei das Leben sehr schwer gewesen.
Als Giuseppe Cherchi dann Anna Martin, die 1938 in Knetzgau geboren worden war, im Betrieb kennen und lieben lernte, sie am 5. Mai 1967 in Haßfurt heiratete, und eine Tochter bekam, beschloss er, in Haßfurt zu bleiben. Seine Frau kümmerte sich anfangs um den Haushalt und das Kind, arbeitete jedoch später noch einmal aushilfsweise bei der Firma Mölter.

Er kocht jeden Tag für seine Frau

Guiseppe Cherchi, der sich noch guter Gesundheit erfreut, kümmert sich jetzt liebevoll um seine pflegebedürftige Frau, führt den Haushalt, soweit er kann, und kocht noch jeden Tag. Am Wochenende wird er von seiner Tochter unterstützt, die in Hirschaid wohnt.
Früher liebte er es, zu tanzen, unternahm stundenlange Spaziergänge, teils von Haßfurt bis nach Knetzgau, und war handwerklich sehr geschickt. Heute liest er gerne, löst jeden Tag Kreuzworträtsel und unternimmt kurze Spaziergänge.

Heimweh nach Sardinien

Noch immer hat er Heimweh nach seiner Heimat Sardinien, die er früher sehr oft besuchte. "Doch weil ich hier meine Familie habe, ist Haßfurt meine Heimat", sagt er.