Es bewegt mich, dass eine fränkische Molkerei neuerdings ihre Milch mit der Information "halal" (arabisch für erlaubt, zulässig) auch den Moslems unter uns schmackhaft machen will. Ich sehe darin vorauseilenden Gehorsam: Nicht lange und wir werden ähnlich der inflationären Verbreitung des Zusatzes "glutenfrei" - im Interesse der vergleichsweise wenigen Menschen, die unter Zöliakie und Glutensensivität leiden - dem Prädikat "halal" häufiger begegnen. So wie auf der Tüte Salatmix dem Hinweis "vegan"...
"Halal"-Milch also. Dabei ist die Gefahr, dass die Milch in der Flasche oder im Tetrapak vom Schwein stammt, ganz einfach nicht gegeben. Niemand melkt die Muttersäue - außer vielleicht mal für wissenschaftliche Zwecke, um die Ferkelnahrung zu erforschen.
Wundern muss die Hinwendung an die moslemische Kundschaft wiederum nicht, gehört doch der Islam zu Deutschland - jedenfalls in den Augen höchster Staatsorgane. Da können die seit über 1000 Jahren bei uns lebenden Juden fast ein wenig neidisch werden, dass ihnen zuliebe die Lebensmittel hierzulande noch nicht generell (wie in Israel) in "kosher" (rein, unbedenklich) und "nicht kosher" unterschieden werden. Es gibt also noch viel zu regulieren und zu deklarieren!
Derweil bange ich um das Seelenheil eines Mannes offenbar arabischer Herkunft, der sich dieser Tage neben mir in einem Backshop eine Laugenbreze ausgesucht hat. Ich wünsche ihm so sehr, dass das Gebäck nicht nach dem Originalrezept hergestellt worden ist. Dann nämlich war ein Schöpfer ordinäres Schweineschmalz im Teig enthalten. Und das ist, wie jeder fränkische Feinschmecker bestätigen wird, der beste Geschmacksträger - vor allem in der Bratwurst und als Fett in der Pfanne, aber eben auch im Laugengebäck.
"Not halal", "Not kosher" - es wird höchste Zeit, dass wir das auch noch unterscheiden lernen! Was die Eindämmung des gesundheitlich nicht unbedenklichen Verzehrs von Schweinsbraten, Pressack & Co. betrifft, wäre es im Übrigen gar nicht mal das Schlechteste.