Einsicht scheint bei dem 39-Jährigen immer ein wenig zu dauern. Der Mann aus dem Landkreis beschäftigte in seiner kleinen Autofirma illegal einen Ausländer. Als die Zöllner, Abteilung Schwarzarbeit, ihm auf die Spur gekommen waren, hat sich der 39-Jährige "großspurig aufgeführt", schilderte ein Fahnder am Amtsgericht. Erst als die Beweislast erdrückend gewesen sei, habe sich die Stimmungslage "erfreulich gewandelt".
Vor dem Amtsrichter wiederholte sich das. Mit dem Strafbefehl über allerdings satte 160 Tagessätze zu je 75 Euro, also 12 000 Euro, war der Mann überhaupt nicht einverstanden. Er wollte eine viel billigere Einstellung des Verfahrens. Schließlich habe er den Schaden wieder gut gemacht. Das lehnte der Ankläger aber ab. Über den vom Gericht letztlich gewährten "Rabatt" freute sich der Angeklagte am Ende doch.
Beim Hauptzollamt ging eine Anzeige ein. Die Information war richtig. Der selbstständige 39-Jährige hatte in seiner Firma einen Mann aus Mazedonien von Mai bis Juli 2014 und von November 2014 bis Januar 2015 beschäftigt, der mit einem drei Monate gültigen Touristenvisum eingereist war. Jede Beschäftigung ohne Genehmigung ist aber illegal. Hinzu kam die Entlohnung: 600 Euro pro Monat, bar auf die Hand. Angemeldet hatte der Chef seinen Angestellten nicht. Die Behörden rechneten einen Stundenlohn von um die fünf Euro aus, also deutlich unter dem Mindestlohn von 8,50 Euro.
Im Mai 2015 sollte sich das Dreimonatsspiel wiederholen. Drei Tage war der Mazedonier wieder tätig, dann kamen die Zöllner und der wenig freundliche Auftritt des Chefs. Man werde ihm nichts beweisen können, habe er barsch gesagt. Blöd nur: Die Zöllner fanden zwar den Mazedonier nicht vor, aber seine Jacke mit dem Pass in der Tasche. Der Zeitpunkt, ab dem auch der Chef mit der Behörde koordinierte.
Die Staatsanwaltschaft schickte dem Mann einen Strafbefehl in der erwähnten Höhe, weil schließlich drei unterschiedliche Straftaten vorlagen und zu ahnden waren: Vorenthalten der Sozialversicherungsabgaben in Höhe von 2511 Euro, Beihilfe zum illegalen Aufenthalt und Einschleusen eines Ausländers. Der Angeklagte schilderte, dass ihm ein Bekannter die Dienste das Mazedoniers angeboten habe. "Ich hatte Mitleid mit ihm", sagt er. Der Staatsanwalt erinnerte in seinem Plädoyer an die 13 Einträge im Bundeszentralregister, erkannte aber an, dass der Angeklagte den Schaden wieder gut gemacht hat. Den Tagessatz reduzierte er auf 35 Euro, machte noch 5600 Euro aus. Der Verteidiger empfand 100 Tagessätze zu 35 Euro oder 3500 Euro als ausreichend. Begründung: Sein Mandant habe wesentlich zur Aufklärung beigetragen, die Altlasten seien Jugendsünden. Der Amtsrichter reduzierte die Tagessätze auf 140, beließ es aber bei 35 Euro. Das Urteil ist rechtskräftig. hh