von unserem Redaktionsmitglied 
Daniel Ruppert

Herzogenaurach — Als Franz Müntefering zum zweiten Mal und endgültig sein Amt als Vorsitzender der SPD niederlegte, waren Kilian Hacker und seine Klassenkameraden noch in der Grundschule. Am 27. September bekommen sie - die 9b des Gymnasiums Herzogenaurach - den Karl-Heinz-Hiersemann-Preis von Müntefering überreicht. Ausgezeichnet wird ihre szenische Lesung über den Nationalsozialismus, die sie zunächst im Erlanger Rathaus und schließlich sogar vor Fernsehkameras im ehemaligen Konzentrationslager (KZ) Dachau vorgetragen haben.
"Wir haben Bücher, Zeitungen, Briefe und andere Quellen herangezogen, Zitate daraus entnommen und Überleitungen dazu geschrieben", erklärt Hacker das Prinzip. Wie in einem kleinen Theaterstück machten die Gymnasiasten den Holocaust greifbar. Die Idee hatte die Lehrerin der Klasse, Julia Rosche, die im Rahmen ihres Referendariats eine Seminararbeit zu dem Thema schreiben musste.
"Der Nationalsozialismus steht im Lehrplan und auf diese Weise hat uns das mehr Verständnis gebracht als im normalen Unterricht", sagt Hacker. Sechs Wochen lang haben Rosche und ihre 27 Schüler sechs Schulstunden pro Woche zur Vorbereitung genutzt. Am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus', trugen 16 von ihnen die 50-minütige szenische Lesung im Erlanger Rathaus vor.

Merkel und Seehofer hören zu

Einen weiteren Auftritt hatten die Neuntklässler auf ihrer Klassenfahrt, die sie Ende April/Anfang Mai nach München und Dachau führte. Zum 70. Jahrestag der Befreiung des dortigen KZ standen sie mit Schülern aus anderen Ländern auf der Bühne. "Einige Zitate wurden so in der Originalsprache vorgetragen", erzählt der 15-Jährige - im Publikum saßen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sowie ein Filmteam des Bayerischen Rundfunks.
Die Ausstrahlung im Fernsehen hatte offenbar auch die Erlangen-Höchstadter Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann (SPD) gesehen, die in der Jury des nach ihrem verstorbenen Mann benannten Karl-Heinz-Hiersemann-Preises sitzt. Seit 1999, ein Jahr nach Hiersemanns Tod, verleihen ihn die SPD Mittelfranken und Erlangen alle zwei Jahre an Jugendliche und Jugendgruppen, die sich für Freiheit, Demokratie, Toleranz und Völkerverständigung einsetzen.

"Der Preis bestätigt das Ganze"

"Die Arbeit hat sich auch ohne Auszeichnung gelohnt, aber der Preis bestätigt das Ganze", findet Hacker. Den zweiten Preis teilen sich Schüler des Eckentaler Gymnasiums, die sich zu Ortsführern für Gleichaltrige ausbilden ließen, und eine Klasse des Nürnberger Sigmund-Schuckert-Gymnasiums (Kriegsgewalt und Menschenrechte). Platz 3 geht an die Video-Gruppe "Stolpersteine" der Dietrich-Bonhoefer-Realschule in Neustadt an der Aisch. Einen Sonderpreis erhält die Projektgruppe "Flüchtlinge - Willkommen! Geduldet? Abgelehnt?" der städtischen Wirtschaftsschule Röthelheim/Erlangen.