Herzogenaurach — Musik kennt keine Grenzen, sie sickert einfach durch. Melodien verbreiten sich über Länder und Meere, kein Schützengraben, kein Stacheldraht kann sie aufhalten. "Musik ohne Grenzen": So lautete das Thema des bayernweiten "Aktionstags Musik" 2015, bei dem die Grundschüler der Carl-Platz-Schule nun zum zweiten Mal eifrig mitmachten, allen voran die Ganztagesklasse 2g.
Sportwettbewerbe gebe es übers ganze Jahr verteilt, erläuterte Klassleiterin Heike Auer, Leiterin der Veranstaltung, die Musik dagegen komme häufig zu kurz. Der vom bayerischen Kultusministerium ausgerufene Aktionstag soll nicht nur Schulen, sondern auch Kitas, Musikschulen, Vereine und überhaupt alle Einrichtungen, in denen sich Menschen treffen, zum Musizieren zusammenbringen. Die jeweiligen Mottos sind so umfassend, dass auch wirklich jeder etwas beisteuern kann.
Lieder der Heimat und, um auch eine Ländergrenze zu überschreiten, Volkslieder aus Spanien hatte sich die Klasse 2g ausgesucht. Die 22 Kinder haben für ihre beiden großen Auftritte viele Wochen nahezu täglich geübt, und was herausgekommen ist, ließ sich hören. Mit Ganzkörpereinsatz und sichtbarer Freude erzählten die Minis vom Gerchla, das nach dem Genuss sämtlicher auf der Kärwa verfügbaren Bratwürsten seinen Durst im Wirtshaus stillen muss.
"Zamsaafn" heißt das auf Fränkisch, aber, meinte Heike Auer, was seit Jahrzehnten auf fränkischen Kärwas gesungen wird, darf auch mal im Klassenzimmer erklingen, die Sprache unserer bäuerlichen Vorfahren war eben derb. Da ist das Spanische mit seiner Symbolsprache im Vorteil: Wenn ein Gofio-Verkäufer auf Teneriffa von einem missglückten Liebesabenteuer erzählt, ist nur Eingeweihten klar, dass die gestohlenen Weintrauben vielleicht eher bedeuten, dass auch 4000 Kilometer weiter südlich gefensterlt wird. Hier sieht man's gleich wieder: Musik und das, was sie besingt, kennt keine Grenzen.

Spanische Texte

Der auf Spanisch dreistimmig dargebotene Kanon "El gallo se murió ayer" kennt als "Der Hahn ist tot" auch jeder. Viel fremdsprachigen Text hatten die Kinder bei "El burro" auswendig gelernt, dem Lied vom verwöhnten kleinen Eselchen, dem täglich etwas anderes fehlt.
Können nun überhaupt 150 Kinder über eine Stunde zuhören? Schwer vorstellbar. Doch bei fast allen Liedern konnte entweder ein einfacher Refrain mitgesungen werden oder Bewegungen mitgemacht, sodass schnell Stimmung aufkam. Der Floh auf dem Butterbrot kam genauso an wie Roy Blacks und Anitas Schmalznudel der Siebziger "Schön ist es, auf der Welt zu sein". Frage der Vorkurskinder, die einen Teil miterleben durften: "Dürfen wir da nächstes Jahr auch mitmachen?"
Heike Auer