Geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen für Herzogenwind standen als ein breit diskutiertes Thema auf der Tagesordnung der Obertrubacher Gemeinderatssitzung. Es geht um eine Geschichte, die im Mai dieses Jahr mit dem Antrag eines Einwohners begonnen hatte. Unter anderem hat dieser die Anschaffung einer Geschwindigkeitsmessanlage und die Versetzung der Ortstafel begonnen hat. 83 Einwohner dokumentierten ihre Unterstützung im August in einer Unterschriftenliste.
Betroffen ist vor allem die westliche Einfahrt aus Hundsdorf/Geschwand kommend. Es folgten Begehungen vor Ort mit Verkehrspolizei und Gemeindevertretern, um die Lösungsmöglichkeiten auszuloten.
Zusätzlich fand im Sommer auf Beschluss des Gemeinderats zwei Wochen lang mit Hilfe eines geliehenen Gerätes aus Egloffstein die Registrierung der Geschwindigkeit sowie die Anzahl der Fahrzeuge auf Höhe des Getränkelagers Thürmer statt.
Das Ergebnis zeigte folgende Messergebnisse in der 30er-Zone: 22 Prozent blieben innerhalb des Limits, 24 Prozent zwischen 31 und 40 km/h, 24 Prozent zwischen 41 bis 50 km/h und 30 Prozent fuhren schneller als 50 km/h. Insgesamt passierten 353 Fahrzeuge pro Tag die Messstelle. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 42 km/h. Der Schnellste fuhr 105 km/h. Die Diskussion über die Ergebnisse geriet im Gemeinderat sehr sachlich. "Vor dem Aufstellen von Hindernissen wie Blumenkübeln und Ähnlichem warnt die Polizei aber ausdrücklich", sagte Bürgermeister Markus Grüner (CSU).
Das Unfall- und Haftungsrisiko sowie zusätzliche Auflagen sprechen demnach gegen solche Überlegungen. Den ersten Gedanken, eine Messanlage mit Smiley-Gesicht variabel aufzustellen, ließ der Rat wieder fallen, da er von der tatsächlichen Wirkung nicht überzeugt war.
Unterm Strich beschlossen die Gemeinderäte, die Ortstafel und die 30er-Zone um rund 15 Meter nach außen zu versetzen. Gleichzeitig ist der Rat davon überzeugt, dass nur bauliche Maßnahmen das Problem dauerhaft lösen können. Deshalb denkt der Gemeinderat zusätzlich an die Installation einer Rinne; das ist ein vertiefter, dreiteiliger Streifen aus Granitsteinen quer über die Straße am Ortseingang.


Mit zwei Gegenstimmen

Freilich würde das nicht ohne eine gewisse Lärmbelästigung abgehen. Deshalb sollen die Anlieger der nächsten Umgebung dazu gehört werden, bevor hier das letzte Wort gesprochen wird.
Ein offener und noch zu klärender Punkt ist in diesem Zusammenhang auch die Kostenfrage für die Rinne zwischen Gemeinde und Einwohnern von Herzogenwind. Die beschriebene Vorgehensweise wurde mit zwei Gegenstimmen beschlossen. In einer ersten Stellungnahme vor Ort zeigte sich Elke Stein als unmittelbar betroffene Anliegerin wenig aufgeregt. "Jede Lösung hat Vor- und Nachteile, ich kann das nicht beurteilen. Wichtig ist nur, dass etwas geschieht. Der Gemeinderat findet sicher die richtige Entscheidung", ist sie zuversichtlich. Die angedachte Querrinne mag vielleicht für landwirtschaftliche Fahrzeuge problematisch sein, merkt sie an. Das klang auch im Gemeinderat an.
Relativ schnell war die Idee eines Radarüberwachungssystems für alle Ortsteile vom Tisch. Grund war der Wunsch der Gemeindebevölkerung, gegen zu hoch empfundene Geschwindigkeiten vorzugehen. Kostenpflichtige Überwachungen gelten als wenig attraktiv, fest installierte Radaranalgen nur extrem schwer durchzusetzen. Die Idee einer Bürgerbefragung bei der Bürgerversammlung fand ein geteiltes Echo. Bei der Diskussion ging es ausschließlich um den fließenden Verkehr. Für den ruhenden Verkehr sehen die Obertrubacher keinen Bedarf. Laut Grüner wolle man dadurch auch nicht den Geschäftsleuten das Leben schwer machen.
Zugrunde lag jetzt das Angebot einer Würzburger Firma, die Radarüberwachung für den fließenden Verkehr zu übernehmen einschließlich der kompletten administrativen Abwicklung. Für den Dienst würde die Firma 95 Euro pro Stunde verrechnen. Gebühren für Verstöße bis 35 Euro würden in die Gemeindekasse fließen. Darüber hinausgehende Bußgelder gingen an die Landeskasse. Wie schon die Marktgemeinde Egloffstein nimmt auch Obertrubach einstimmig Abstand von der Radarüberwachung.