Manfred Wagner

Die Verkehrskontrolle am 1. August vergangenen Jahres lohnte sich gleich doppelt: Zum einen erwischte die Polizei einen Golf-Fahrer (57) mit sage und schreibe 2,17 Promille hinterm Steuer, zum anderen lag auf der Rücksitzbank das geladene Jagdgewehr des stark Alkoholisierten. Der nicht vorbestrafte Jäger aus dem Landkreis Haßberge musste sich nun wegen der Trunkenheitsfahrt und wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor Gericht verantworten. Das Urteil des Amtsgerichts in Haßfurt lautete: 2000 Euro Geldstrafe und weitere elf Monate Führerscheinsperre.
Es war heiß, sehr heiß an dem besagten Sommertag. Der Angeklagte hatte tagsüber am Haus seines Sohnes gearbeitet. Dabei, so seine Einlassung, habe er etliche Flaschen Bier getrunken.
Des Abends holte er dann sein Gewehr von zu Hause, legte es in geladenem Zustand auf die Rückbank des VW, deckte seine Jacke darüber und wollte zu einem Jagdkollegen fahren, um mit ihm gemeinsam auf die Pirsch zu gehen. Kurz vor 21 Uhr fand die Fahrt mit der Polizeikontrolle ihr abruptes Ende.
Vor Gericht versuchte sich der Angeklagte erst gar nicht herauszureden und gab zu, dass es leichtsinnig war und er "Mist gebaut" habe. Auf Nachfrage von Ilker Özalp, der die Staatsanwaltschaft vertrat, gab der Jäger an, sich fit gefühlt zu haben.
Das passt durchaus mit dem zusammen, was der Polizeibeamte im Zeugenstand aussagte. Demnach waren bei dem Verkehrssünder keinerlei Ausfallerscheinungen feststellbar. Weder schwankte noch lallte er, lediglich die Alkoholfahne hatte ihn sofort verraten.


Gegen alle Vorschriften

Neben der Trunkenheit ging es in der Verhandlung um die Vorschriften nach dem deutschen Waffengesetz. Jeder angehende Jäger lernt bei seinem "grünen Abitur", dass es streng verboten ist, das Jagdgewehr offen auf der Rücksitzbank des Autos zu transportieren. Denn alle Inhaber eines Waffenscheines haben eine besondere Verantwortung. Wenn der Jäger seine Schusswaffe zwischen seiner Wohnung und dem Revier transportieren will, muss es durch ein Vorhängeschloss in einem Koffer gesichert und darf keinesfalls geladen sein. Außerdem ist vorgeschrieben, die Munition strikt von der Waffe zu trennen.
Dass die Nachlässigkeit im Umgang mit Freizeitwaffen zur Katastrophe führen kann, weiß man spätestens seit der grauenhaften Bluttat von Winnenden. Im vorliegenden Fall fanden die Beamten darüber hinaus ein mit einem Zielfernrohr und einem Scheinwerfer aufgerüstetes Gewehr vor. Und weil das ebenfalls verboten ist, wurde der einige Tausend Euro teure Schießprügel von der Staatsanwaltschaft ersatz- und entschädigungslos eingezogen.


In der Mitte

In seinem Plädoyer forderte Özalp seitens der Anklage eine Geldstrafe von 3600 Euro und eine Führerscheinsperre von einem Jahr und einem Monat. Die Verteidigerin Kerstin Rieger hielt 1750 Euro und eine Sperre von neun Monaten für ihren geständigen und reumütigen Mandanten für ausreichend. Das von Strafrichterin Ilona Conver verkündete Strafmaß lag zwischen den beiden Anträgen. Das Urteil wird rechtskräftig, wenn nicht binnen einer Woche Rechtsmittel dagegen eingelegt werden.