Anette Schreiber

Das 1000-jährige Bischberg wurde vor zwei Jahren gefeiert. Dazu gab es eine intensive Vorbereitungsphase. Darauf folgte eine intensive Nachbearbeitung. Und daran hat sich die Archivierungszeit angeschlossen. Denn auch das Jubiläumsjahr selbst ist ein Ereignis, das für die Nachwelt bewahrt werden muss. Genauso wie die Schwarzweiß-Aufnahme aus dem Jahr 1966. Sie entstand vom Kirchturm aus, anlässlich von Reparaturarbeiten am Ziffernblatt der Kirchturmuhr. All diese Dinge fallen in das Ressort von Michael Eisentraut. Der Archivpfleger bewahrt und pflegt die Pretiosen der Gemeinde und bringt diese Schätze der Gemeindegeschichte gerne ins Bewusstsein.
Seit acht Jahren fungiert er als Gemeindearchivpfleger und hat in der Zeit schon einige Schätze gehoben. Und gerade die möchte er den Bischberger n ans Herz legen. Zunächst einmal regelmäßig den Gemeinderäten. So war sein Bericht Tagesordnungspunkt der letzten Sitzung diesen Jahres.
Diesmal nutzte Eisentraut sie, um aus Sicht des Archivs auf das Jubiläumsjahr 2013 einzugehen. "Es ist alles archiviert, jeder der Interesse hat, kann darauf zurückgreifen." Ersichtlich wird aus den Unterlagen, dass 2009 ein Lenkungs- und Festausschuss ins Leben gerufen wurde, der insgesamt 35 Mal tagte und sich 2014 logischerweise auflöste. Das Jubiläumsjahr selbst ist fotografisch in über 1500 Bildern auf 39 CDs dokumentiert. Die dem Archiv somit in digitalisierter Form vorliegen und nun auch weiter verwendet werden können, allerdings immer mit Namensnennung des jeweiligen Fotografen, wie Eisentraut betonte.
Um die Gemeinderäte für die Geschichte ihres Ortes zu sensibilisieren, präsentierte der Archivpfleger die ältesten Dokumente des in der Hauptstraße ansässigen Archivs.


Das älteste Dokument

Da ist einmal das älteste Dokument aus dem Jahr 1643, das aus einem kleinen Buch stammt, in dem die Einnahmen und Ausgaben eines Jahres aufgelistet waren. "16 Seiten für ein Jahr." Die Aufzeichnungen aus Trosdorf stammen zwar "erst" aus dem Jahr 1656/57, dafür "waren die Trosdorfer etwas gewissenhafter beim Aufheben". Weshalb die Aufzeichnungen relativ lückenlos vorliegen.
Nach diesem Exkurs in die Vergangenheit wandte sich Eisentraut wieder der Gegenwart zu. Es gebe eine ganze Reihe von Straßen und Ortsbezeichnungen, "die in einer Generation vergessen sind", merkte er an und empfahl genau deswegen, unter die heutige Bezeichnung ein Täfelchen mit der früheren Bezeichnung und eventuell einer Erklärung dazu anzubringen.
Kommunizieren möchte der Archivpfleger auch das Folgende: Wenn in der Gemeinde Häuser verkauft oder Haushalte aufgelöst werden, möge man doch bitte nichts an Unterlagen, Fotos und ähnlichem wegschmeißen, "damit nichts verloren geht."


Urkunden abschreiben

Im umgekehrten Fall machte Eisentraut darauf aufmerksam, dass sich im Archiv "ein riesiger Fundus für Nachforschungen aus der Familiengeschichte" befinde. Kopien - zu 50 Cent pro Seite - seien ebenso möglich, wie man in seiner Gegenwart aus den vorliegenden Urkunden abschreiben könne.
Die Nachfrage des Fränkischen Tags bei Kreisarchivpflegerin Barbara Spies ergab, dass die Gemeinde Bischberg in Sachen Archiv vorbildhaft mit ihren Dokumenten umgeht. Wie etliche weitere im Landkreis, bei denen sich spezielle Kräfte den Archivalien widmen.


Gesetz zur Archivierung

Seit 1990 regelt das Bayerische Archivgesetz die Archivierung von Unterlagen von Archiven und öffentlichen Stellen. Gemeinden haben die Pflicht, "Unterlagen in eigener Zuständigkeit " für einen vorgeschriebenen Zeitraum zu bewahren und zu inventarisieren.
Für denjenigen, der das erledigt, gibt es Schulungen. Sichten, sortieren, inventarisieren ist zeitintensiv und kostet Geld, weiß die Kreisarchivpflegerin. Einige Gemeinden leisten sich einen Archivar. Ansonsten erledigt Verwaltungspersonal diesen Zusatzjob. Was verständlicherweise nicht immer Begeisterung hervorrufe.
Man müsse sich ins Bewusstsein rufen, dass es Gemeindegeschichte ist, die verloren gehen kann, wenn diese Arbeit nicht ordentlich erledigt wird, macht die Kreisarchivpflegerin deutlich.
Im Bischberger Fall besteht hier natürlich keine Gefahr. Kein Wunder also, dass Eisentraut für seine Arbeit einen großen Applaus erhielt.