Licht und Schatten bei Schaeffler: Während das Automobilgeschäft weiterhin Wachstum verzeichnet, schrillen im Industriebereich die Alarmglocken. Das geht aus Pressemitteilungen des Herzogenauracher Unternehmens hervor. Für die Sparte Industrie bedeutet das: In den kommenden drei Jahren sollen 500 Stellen abgebaut werden, wie Vorstandschef Klaus Rosenfeld am Mittwoch ankündigte. Betroffen seien vor allem Verwaltungsjobs in europäischen und amerikanischen Werken.
Welche Standorte letztlich betroffen sind, wurde nicht mitgeteilt. Das müsse noch geregelt werden, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Die erforderlichen 500 Stellen sollen sowohl in der Verwaltung als auch in der Industrie-Produktion wegfallen.
Eine solche habe man am Standort Herzogenaurach aber relativ wenig, hieß es weiter. Denn fast 90 Prozent der Produktion entfielen auf den Automotive-Sektor. Die Verwaltung hingegen ist am zentralen Standort schon stärker gebündelt.
Es soll auch diesmal ein verträglicher Abbau werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen könne jedenfalls verzichtet werden, sagte der Sprecher. In einer ersten Welle hatte der Wälzlagerhersteller bereits 500 Arbeitsplätze am Standort Schweinfurt gestrichen. Das Programm beginne inzwischen zu greifen, reiche aber nicht aus, sagte Schaeffler-Chef Rosenfeld. "Da müssen wir jetzt grundsätzlich reagieren."
Mit den angekündigten "Effizienzmaßnahmen" will der Vorstand die Herstellungs- und Verwaltungskosten senken, um den Industriebereich wieder profitabler zu machen. In den nächsten drei Jahren solle so "das Ergebnis der Industriesparte um rund 60 Millionen Euro verbessert werden", kündigte Rosenfeld in der Pressemitteilung an. Rosenfeld begründete die Einschnitte mit der weiter schwierigen Marktlage: Das Geschäft mit großen Industrielagern, etwa für Öl- und Gasförderpumpen und Züge, sei von Nachfragerückgängen und Preisverfall geprägt. "Wir müssen uns daher fragen, ob unsere Industriekapazitäten richtig dimensioniert sind", erläuterte er.
Derweil setzte sich die seit längerem anhaltende Talfahrt der Industriesparte fort, die ein Viertel zum Konzernumsatz beiträgt. Im dritten Quartal sank der Umsatz der Sparte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,8 Prozent auf 741 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern ging sogar um fast ein Drittel auf 53 Millionen Euro zurück.
Konzernweit blieb Schaeffler wegen des weiter rund laufenden Autogeschäfts aber auf Wachstumskurs. Der Konzernumsatz stieg in den ersten neun Monaten um 0,2 Prozent auf 9,977 Milliarden Euro, der operative Gewinn um 2,0 Prozent auf 1,276 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben dem Konzern Ende September 672 Millionen Euro (plus 29 Prozent).
Trotz der Probleme in der Industriesparte hält der Vorstand an seiner Prognose für 2016 fest.
Derweil will sich Schaeffler mit einem neuen Konzept auf den bevorstehenden Wandel in der Autoindustrie einstellen. Unter dem Titel "Mobilität von morgen" wollen sich die Franken vor allem auf Module und Systeme für E-Autos konzentrieren. Das Unternehmen will in den kommenden Jahren rund 500 Millionen Euro in "das Thema E-Mobilität" investieren. Rosenfeld geht davon aus, dass von 2020 an die Zahl der produzierten Hybrid- und Elektrofahrzeuge deutlich wachsen wird.
Die Sparte Industrie beschäftigt aktuell rund 6700 Mitarbeiter, laut Pressemitteilung "in direkten und indirekten Bereichen." Demnach gibt es sieben Werken, die direkt der Sparte Industrie zugeordnet werden, und weitere 36 interne Zulieferer des Bereiches Bearing & Components Technologies. Schaeffler berichtet wörtlich: "Dieser Bereich bündelt einen Großteil der Wälzlager-Produktion der Schaeffler Gruppe und versorgt sowohl die Sparte Automotive als auch die Sparte Industrie mit Wälzlagerprodukten. Darüber hinaus wird ein Großteil der Dienstleistungen und Support-Aufgaben, die von der Sparte Industrie genutzt werden, von Einheiten zur Verfügung gestellt, die nicht unmittelbar der Sparte Industrie zugeordnet sind."
Dazu stellt Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, in der Pressemitteilung fest: "Die Sparte Industrie ist integraler Bestandteil des Geschäftsmodells der Schaeffler Gruppe und unserer Strategie 'Mobilität für morgen'. Wir werden weiter alles daran setzen, die Sparte Industrie auf einen nachhaltigen Erfolgskurs zurückzuführen." bp, dpa