Der Betrugsprozess hatte auch seine anrührenden Seiten. Ein Täter, der nur mit bedingtem Vorsatz handelte, eine Geschädigte, die ihm Glück für die Zukunft wünschte, und eine Übereinkunft, die den Schaden wiedergutmachen soll.
11 000 Euro betrug ein Kostenvoranschlag einer Sanitärfirma für umfassende Arbeiten in einem Haus im Bad Staffelsteiner Raum. "Das können wir nicht stemmen", soll eine damalige Einschätzung des 41-jährigen Angeklagten gelautet haben. Dennoch erteilte er den Auftrag. "Das war a weng blöd, was ich gemacht habe", äußerte er sich. "Das stimmt", pflichtete ihm Richter Stefan Hoffmann lakonisch bei.
Hauptwasseranschlüsse, Badewanne und weitere Arbeiten waren in dem Haus zu erledigen, in dem der Angeklagte gemeinsam mit seinen Eltern lebt. Im Januar 2015 nahm man sich Renovierungen vor. "Weil's halt doch a alte Ranch war", wie sich der Beschuldigte ausdrückte.


Auf die Eltern verlassen

Doch die Kompetenzen für das weitere Vorgehen schienen nicht geklärt. "Ich habe mich (bei der Bezahlung) mehr oder weniger auf die Eltern verlassen", so der Angeklagte. Er selbst, das stellte sich während der Befragung heraus, war zum Zeitpunkt der durch ihn erteilten Auftragsvergabe nicht nur arbeitslos, sondern hatte auch eine eidesstattliche Versicherung abgegeben. "War Ihnen klar, dass Sie die Firma betrügen?", wollte Richter Hoffmann wissen. "Eigentlich schon", antwortete der Mann in bereuendem Ton.
Wer nun genau der Ansprechpartner für diesen Auftrag war, schien aber auch der Sanitärfirma nicht ganz klar gewesen zu sein. "Wir haben den Kostenvoranschlag auf den Vater geschrieben", so eine 59-jährige Bürokauffrau des Unternehmens. Die Rechnung, so die Frau, sei auf Wunsch der Familie zudem noch auf den 41-jährigen Sohn umgeschrieben worden. "Er hat den Auftrag erteilt, er hat nicht gesagt, dass er vertretend für die Eltern den Auftrag erteilt."
"Es tut mir leid, was ich da veranstaltet habe", erklärte der Beschuldigte der drei Meter von ihm entfernt sitzenden Bürokauffrau. Die zeigte Verständnis und in aller Freundlichkeit antwortete sie: "Gott sei Dank, haben Sie wieder eine Arbeit." Dass zwischen der Firma und der Familie kein Unfriede herrscht, war auch der Aussage eines Polizeibeamten zu entnehmen, der damals mit der Anzeigenerstattung zu tun bekam. Die erfolgte, weil es "keine Reaktion auf Anschreiben und Mahnungen gab", wie er sich erinnerte. Eine Zeit später aber sei ihm durch die Firma bedeutet worden, dass man die Anzeige zurückziehen wolle. Da aber mahlten die Mühlen der Justiz schon.
Auch die Zeugenaussage einer Obergerichtsvollzieherin sollten Puzzleteile zum Gesamtbild des Angeklagten beitragen. Schon mehrmals habe der Mann kein Geld gehabt, sei in Schieflagen geraten und Zahlungen nicht nachgekommen. Eine Selbstständigkeit scheiterte, eine Verschuldung war das Ergebnis. Bei Betrachtung aller Umstände kam Richter Stefan Hoffmann zu dem Schluss, dass die kriminelle Energie des Angeklagten an der "niedrigsten Schwelle des Vorsatzes" zu finden sei. "Ich glaube Ihnen, dass Sie das nicht mit Absicht gemacht haben. Sie haben es halt in Kauf genommen", so der Richter zum Betrugsvorwurf.
"Es ist nicht ersichtlich, dass er einen Strafvollzug braucht, um neuen Lebensstil zu erwirken", erklärte vorher auch Lea Abebe, die Staatsanwaltschaft vertretend. Zu diesem Schluss kam sie wegen der gezeigten Reue des 41-Jährigen und darum, weil sein Leben mittlerweile eine Wendung aus der Arbeitslosigkeit nahm. Endlich wieder berufstätig und zudem vorher nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, lebt der Mann ein bürgerliches Leben. Doch eine Haftstrafe musste ob der Sachlage ausgesprochen werden, wenngleich zur Bewährung. Sechs Monate bei vierjähriger Bewährungszeit stehen dem Verurteilten bevor, sowie eine verpflichtende 200-Euro-Monatsrate zur Schadenswiedergutmachung.