von unserem Mitarbeiter Alfons Beuerlein

Sand — Der Gemeinderat Sand hat beschlossen, für das künftige Baugebiet "Zehentwörth II" in Abänderung des Bebauungsplanentwurfs einen Bebauungsplan aufzustellen. Das erfolgt im beschleunigten Verfahren. Neun Bauplätze sollen dort entstehen. Vor der Beschlussfassung musste das Ratsgremium in der über vierstündigen Marathonsitzung am Dienstagabend die Stellungnahmen und Einwände der Träger öffentlicher Belange und von Sander Bürgern abarbeiten.


"Hundertjähriges Hochwasser"

Das geplante Baugebiet "Zehent-wörth II", das sich südlich am Autohaus Gelder anschließt, ist seit 2006 rechtsverbindlich im Flächennutzungsplan der Gemeinde Sand als Mischgebiet ausgewiesen. Die Fläche liegt nach wie vor nicht im amtlich festgesetzten Überschwemmungsgebiet des Mains. Nach neuesten Berechnungen des Wasserwirtschaftsamts (WWA) wurden die Grenzen in Sand bei einem "Hundertjährigen Hochwasser" um einen Meter angehoben. Deshalb müssen diese Berechnungen in der Planung berücksichtigt werden. Ein Grundstück würde danach bei einem solchen Hochwasser geringfügig überschwemmt. Eine Bebauung des Bereiches hätte auf das Hochwassergeschehen keinen negativen Einfluss, hieß es in der Sitzung.
Eingangs der Beratung schickte Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD) in einer schriftlichen Zusammenfassung an das Ratsgremium voraus, dass der Gemeinderat und die Bürgerschaft über die Entwicklung auf dem sogenannten "Grundstück Geisler" in Gemeinderatssitzungen und Bürgerversammlungen immer auf dem Laufenden gehalten wurden. Es habe extra eine Bürgerversammlung mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes und des Landratsamtes gegeben. Dazu seien alle Anwohner im Ortsteil Wörth extra durch Schreiben persönlich eingeladen worden. Den Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes für "Zehentwörth II" hat der Gemeinderat Sand in seiner Sitzung am 2. Juli dieses Jahres gefasst.
In der Sitzung am Dienstagabend hatte sich der Sander Gemeinderat mit 17 eingegangenen Stellungnahmen von Behörden zu beschäftigen, die sich im Wesentlichen mit der Schaffung von Hochwasser-Retentionsflächen sowie mit dem Naturschutz, dem Abfallrecht und dem Immissionsschutz befassten und schnell abgehandelt waren. Zum Beispiel stellte das Wasserwirtschaftsamt fest: "Einen Einfluss auf das Hochwasser hat das geplante Baugebiet nicht. Die Fließgeschwindigkeiten sind zu vernachlässigen. Für den verlorengehenden Rententionsraum ist im geplanten Bebauungsplan Ausgleich aufgezeigt. Ebenso ist eine hochwasserangepasste Bebauung im Bebauungsplan festgelegt", so die Behörde.
Umfangreicher waren die 22 eingereichten Einwände mit 42 Punkten von Sander Bürgern, darunter zwei Sammelanträge von insgesamt 66 zum Teil identischen Bürgern. Sie betrafen vor allem die Hochwasserproblematik sowie Ungleichbehandlungen der Anwohner im Wörth und Siedlung. Des Weiteren waren Einwender gegen eine Auffüllung des geplanten Baugeländes, gegen die Schaffung einer Rententionsfläche. Einwendungen betrafen auch eine mögliche Schadstoffbelastung durch Altlasten auf der vorgesehenen Baufläche, wodurch keine Standsicherheit für die geplanten Gebäude gewährleistet wäre.
Einige Eingaben führten an, von der Gemeinde und vom Gemeinderat falsch oder unzulänglich informiert worden zu sein, zeigten sich mit dem beschleunigten Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplanes nicht einverstanden, betrafen Umweltfragen wie die Umsiedlung der Zauneidechsen oder mahnten eine Überlastung des Kanalnetzes an.
Da sich alles wiederholte und im Kreise drehte, platzte CSU-Gemeinderat Robert Wagner nach drei Stunden der Kragen: "Ich frage mich, warum so ein Aufwand gegen das Bebauungsgebiet ,Zehentwörth II' betrieben wird. Das Hochwasser wird deshalb nicht mehr und nicht weniger. Der Gemeinderat und die Fachbehörden haben nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet, um Sand weiterzubringen. Da größtenteils die buchstabengleichen Einwände vorgebracht werden, frage ich mich, ob das Ganze nicht irgendwie gesteuert ist."


Plan liegt erneut aus

Punkt für Punkt arbeitete der Gemeinderat Sand die vorgebrachten Einwände ab. Die Einwände wurden meistens einstimmig, teilweise mit bis zu drei Gegenstimmen abgelehnt oder zurückgewiesen. Alle, die Einwände vorgebracht haben, erhalten eine schriftliche Mitteilung über die Behandlung ihres Antrages. Der überarbeitete Planungsentwurf wird vor einer weiteren Beschlussfassung im beschleunigten Verfahren erneut den Trägern öffentlicher Belange vorgelegt und für zwei Wochen öffentlich in der Gemeindeverwaltung ausgelegt.