von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Kreis Lichtenfels — Christine Wittenbauer macht es spannend. "Im Vornamen des Gewinners befindet sich ein "a". Damit scheiden bereits einige Teilnehmer des Vorlesewettbewerbs als Sieger aus. Außerdem enthalte der Vorname noch ein "m" und ein "t". Spätestens jetzt ahnt Samantha Ringelmann, dass sie es sein wird, die den Landkreis im größten bundesweiten Lesewettstreit auf Bezirksebene vertreten wird.
Gestern traten vier Mädchen und ein Junge am Meranier-Gymnasium in Lichtenfels zum Kreisentscheid an. Zweimal mussten die Teilnehmer ihr Lesetalent unter Beweis stellen. Im ersten Durchgang ging es darum, einen von den Teilnehmern selbst ausgewählten Text vorzulesen. "Nehmt uns mit in das Buch, lasst den Funken der Begeisterung auf eure Zuhörer überspringen", fordert Jurymitglied Christine Wittenbauer. Am besten wäre es, wenn jeder Anwesende von dem Buch so begeistert wäre, dass er es sich spontan kaufen oder aus der Bücherei leihen würde, um das Ende der Geschichte zu erfahren.

Lese-Buch ist Verschlusssache

Spannend sollen sie das Buch vorlesen. Bewertet werden auch die Textauswahl, die Zeitplanung und ein angemessenes Lesetempo. Wobei die fünfköpfige Jury natürlich auch ein gewisses Maß an Aufregung der Teilnehmer berücksichtigte. Bis dato ist die Pflichtlektüre nicht bekannt. Ein unbekannter Titel, der gut verschlossen in einem Umschlag ruht. Den Titel kennen nur Wittenbauer und ihre Mitarbeiterin Karin Knorr von der Stadtbücherei.
Über die Reihenfolge entscheidet das Alphabet. Samantha Ringelmann ist als Vorletzte an der Reihe. Sie liest einen Abschnitt aus dem Buch "Onkel Montagues Schauergeschichten" von Chris Priestley. Im Vorfeld des Wettbewerbs hat sie viel geübt. Den Text hat sie auch ihrer Mutter vorgelesen. Die zwölfjährige Schülerin des Gymnasiums Burgkunstadt trifft auf eine starke Konkurrenz. Auch der einzige Junge im Wettbewerb ist kein leichter Gegner. Nach dem ersten Durchgang gibt es erst einmal eine kleine Pause, in der sich die Teilnehmer an einem vom Gymnasium organisierten Kuchenbuffet stärken können.
"Das Geheimnis des Raben" von Karin Hagemann lautet die Pflichtlektüre. Ein Buch, das bewusst keine Neuerscheinung ist. Die Reihenfolge, in der die Teilnehmer antreten, wird ausgelost. Wer seinen Textabschnitt gelesen hat, gibt das Buch an seinen Nachfolger weiter. Auf diese Weise erfährt auch der Zuhörer einiges von der Handlung des Buches.
"Beim unbekannten Text stellt sich heraus, wer ein guter Vorleser ist", erklärt Jurymitglied Reinhold Mahr von der Grundschule an der Kronacher Straße. Am liebsten hätte die Jury alle Teilnehmer zum Bezirksentscheid geschickt, erklärt Wittenbauer. Aber das geht nun mal nicht. Jeder erhält eine Urkunde und ein Buch.
Samantha Ringelmann hatte gehofft zu siegen, aber es nicht erwartet. "Alle haben gut vorgelesen", sagt sie über ihre Konkurrenz. Ihre Mutter Christina Ringelmann ist sichtlich stolz auf die Leseleistung ihrer Tochter. Als ihre Kinder noch klein waren, hat sie ihnen immer eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. "Kinder sollten von klein auf mit Büchern in Berührung kommen", rät auch Lehrer Reinhold Mahr. Den Grundstein zum Leseverständnis sollten die Eltern wecken.
Der Vorlesewettbewerb wird seit 1959 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels durchgeführt und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Sein Ziel ist, die Leselust der Kinder zu wecken und ihre Lesekompetenz zu stärken. Auch Schulleiter Stefan Völker unterstreicht die Bedeutung: "Lesen gibt den Buchstaben Farbe und lässt sie leben."
Die Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbs: Emily Hartan (Meranier-Gymnasium Lichtenfels), Kadisha Mustafov (Adam-Riese-Mittelschule Bad Staffelstein), Samantha Ringelmann (Gymnasium Burgkunstadt), Klemens Weiß (Albert-Blankertz-Mittelschule Redwitz) und Michelle Hoh (Johann-Puppert-Mittelschule Michelau).