Mittlerweile muss man sich fragen, welche Mannschaft denn nun wirklich die erste und die zweite Garnitur ist: Die SG Michelau/Seubelsdorf I, lange Zeit Meisterschaftsaspirant in der Schach-Bezirksoberliga, findet sich nach dem vorletzten Spieltag im Mittelfeld wieder, die Zweite" aber ist Tabellenführer. Nicht zuletzt wegen einer 2,5:5,5-Niederlage beim TSV Bindlach III stürzte die SG I ins Tabellenniemandsland. Dagegen hat die SG-"Zweite" mit einem 6:2-Sieg beim SK Helmbrechts punktgleich mit Weidhausen und Kirchenlamitz die Tabellenführung übernommen.

TSV Bindlach III -
SG Michelau/Seubelsd. 5:5,2,5
Die SGler begannen gut. Spitzenspieler Klaus Beier sicherte sich Einbruchsfelder am Königsflügel von Olga Birkholz, und Gert Grüner stand nach nur sechs Zügen mit einem 45-minütigen Zeitvorteil gegen Wladimir Rein da. Auch bei Benjamin Zerr wollte es so aussehen, als ob er die Stellung Alexander Öhrleins im Sturm zerlegen könnte. Doch Beier gelang kein Eindringen in die Stellung, seine Gegnerin hingegen zog ihr Spiel am Damenflügel auf und letztlich reichte es für beide Seiten nur zu einem Unentschieden. Gert Grüners Gegner ging lange in sich, fand dann aber den richtigen Plan, behielt einen Gambitbauern und demolierte Grüners Bauernstruktur. Auch Zerr musste die Segel streichen, nachdem er seinen Angriff versanden ließ. Im Mittelspiel gelang es Öhrlein, seinen König zu aktivieren und in ein gewonnenes Turm-Bauern-Endspiel einzuschwenken.
Zu dieser Zeit aber entwickelte der SGler Edgar Schaller Druck gegen eine französische Verteidigung Iwan Reins. Dabei ging er mustergültig vor und blockierte einen rückständigen Bauern. Ein Vorteil, den er in ein gewonnenes Endspiel ummünzte.
Weniger gut lief es für Alfons Schüpferling. Zwar erfolgte früh ein Damentausch, allerdings bedeutete das nicht einen friedlichen Ausgang. Verantwortlich dafür war wohl, dass Michael Herrmann geduldig lavierte und kleine Vorteile zu sammeln begann. Am Ende war das Endspiel für den Bindlacher gewonnen. Überraschende Wendung hingegen bei Andreas Schüpferling; ihm gelang es, sich aus einer verlorenen Stellung heraus gegen den Dritten der oberfränkischen Meisterschaft, Kevin Mühlbayer, in ein Remis zu retten.
Obwohl auch in der Begegnung zwischen Bernd Stammberger und Marcus Hassa früh keine Damen mehr auf dem Brett standen, sollte es einen Sieger geben, denn Hassa strebte gekonnt ein günstiges Endspiel an, in dem er einen Bauern gewann und diesen Vorteil verwertete.
Nach knapp fünf Stunden rettete Markus Häggberg einen halben Punkte. Lange Zeit in einer Abwehrschlacht gegen Werner Pesch stehend, gab es für beide Seiten viel zu rechnen. Häggberg wickelte mit einem Figurenopfer in ein für seinen Gegner ungewinnbares Doppelspringerendspiel ab. MH

SK Helmbrechts -
SG Michelau/Seubelsd. II 2:6
Der SGler Ivan Adamovic nutzte diverse Stellungsvorteile, indem er am Königsflügel ein unternehmungslustiges Springeropfer brachte. Umsichtige Verteidigung ließ die Partie jedoch in einer Zugwiederholung friedlich ausklingen.
Marko Hofmann bestrafte passives Spiel dadurch, dass er dem Helmbrechtser früh einen Bauern abnahm und dabei die Rochade verdarb. Als der Kontrahent dann auch noch unbekümmert die Felder um seinen eigenen König weiter schwächte, ließ sich das Seubelsdorfer Taktiktalent nicht zweimal bitten und beendete die Partie mit wenigen kraftvollen Zügen.
Christian Gebhardt gelang ein Manöver, das im Boxen Links-Rechts-Kombination heißt: Erst entfaltete er Druck am Damenflügel und zwang dadurch die feindlichen Figuren in passive Stellungen. Als er dann seine Aufmerksamkeit plötzlich auf die andere Bretthälfte richtete, brach die abgelenkte Verteidigung im Nu zusammen.
Der Anschlusstreffer glückte den Gastgebern, als Mannschaftskapitän Kilian Mager beim Versuch, fragwürdige gegnerische Manöver zu widerlegen, in Zeitnot geriet und verlor.
Ein Festival der vermasselten Möglichkeiten fand auf Brett 6 statt. Unter anderem verlor Uwe Voigt durch einen Fingerfehler die Qualität, statt wie geplant eine Figur zu gewinnen. Durch einen simplen Trick machte er im Endspiel diese Einbuße jedoch wieder wett und erreichte so ein gerechtes Unentschieden.
Am Spitzenbrett sah sich Michal Michalek zunächst mit blockierten Bauernketten konfrontiert. Geschickt öffnete und verwendete er Linien, um seine Dame ins Feindesland zu schicken. Nachdem er auch noch einen Läufer gegenüber einem Randspringer als letzter königlicher Leibwache zur Geltung brachte, war die Partie entschieden.
Matthias Bergmann sorgte zuerst dafür, dass sich am Damenflügel nichts mehr regte, damit er sich genüsslich der Königsseite zuwenden konnte. Der Versuch seines Gegenspielers, das sich dort zusammenbrauende Unheil durch Besänftigungsopfer abzuwenden, erwies sich als kontraproduktiv. Mit dem ganzen Zähler errang Bergmann auch den Gesamtsieg für die SG-"Zweite".
Da half es auch nichts mehr, dass der Gegner von Hartmut Schmidt eine anfangs aussichtsreiche Partie immer schärfer anlegte. Am Ende stellte Schmidt sie mit findigen Kontern noch auf den Kopf und trug zum Endstand von 6:2 bei. uv