54,5 Prozent der Handwerksbetriebe im Raum Coburg, Kronach, Lichtenfels bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als "gut". Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr: Im zweiten Quartal 2015 hatten lediglich 41,5 Prozent ihre Lage als "gut" bezeichnet. "Die Stimmung im Raum Coburg, Kronach, Lichtenfels ist sogar noch besser als im übrigen Oberfranken", analysiert Thomas Koller, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken.
Für den Raum Coburg hatte Kreishandwerksmeister Jens Beland ebenfalls beeindruckende Zahlen parat, als er jetzt zusammen mit Thomas Koller die Tageblatt-Redaktion besuchte: In der Stadt und im Landkreis Coburg gibt es demnach aktuell knapp 1700 Handwerksbetriebe mit insgesamt 8200 Beschäftigten, die einen jährlichen Netto-Umsatz von 800 Millionen Euro erwirtschaften.


Sichere Arbeitsplätze

Und was sollen alle diese Zahlen sagen? Dass das Handwerk stark und sicher sei, dass es Zukunft habe und - bei solider Bezahlung - gute Arbeitsplätze biete, argumentieren Koller und Beland. Doch Handwerker ruhen sich nicht auf einer bestimmten Situation aus, wenn sie gut ist, sondern arbeiten weiter. Oder, mit anderen Worten: Der durch die Zahlen belegbare Rückenwind soll laut Koller und Beland genutzt werden, um einige Probleme, mit denen das Handwerk nach wie vor zu kämpfen hat, zu lösen. An erster Stelle wäre da die Sache mit dem Image. Noch immer, so Koller, werde das Handwerk im Vergleich zu einem akademischen Beruf als minderwertiger angesehen. Um hier ein Umdenken zu erreichen, müsse sehr breit angesetzt werden. "Eltern haben ja seit Jahrzehnten ihren Kindern gesagt: Abi, Abi, Abi - sonst wirst Du nichts." Eine Imagekampagne des Handwerks heißt deshalb auch "Elternstolz" und stellt Eltern vor, die stolz auf die Ausbildung ihrer Kinder in einem Handwerksberuf sind. Aktuell hat jeder Zehnte, der eine Ausbildung im Handwerk beginnt, Abitur - das sind war lediglich zehn Prozent, doch immerhin schon mehr als doppelt so viele wie noch vor einigen Jahren. 50 Prozent der Handwerkslehrlinge kommen von der Mittelschule (früher: zwei Drittel).
Apropos Bildung: Thomas Koller wünscht sich, dass die Menschen beim Stichwort "Bildung" nicht immer nur gleich an die Universität denken, sondern auch an die berufliche Bildung. Und: "Unis bilden nicht zur Selbstständigkeit aus - das macht nur das Handwerk!"
Ein weiteres Thema, das Thomas Koller und auch Jens Beland engagiert verfolgen und begleiten, ist die Frage der Unternehmensnachfolge, die sich in vielen Handwerksbetrieben - ebenso wie auch bei vielen mittelständischen Unternehmen der Industrie - schwierig gestaltet. "Es wäre aber fatal", so Koller, "wenn sich renommierte Betriebe auflösen, nur weil sich niemand findet, der die Leitung übernimmt." Indirekt mit diesem Thema hängt die Erbschaftssteuer zusammen. Koller plädiert für eine Regelung, die eine Übernahme innerhalb der Familie nicht noch zusätzlich erschwert.


Handwerk 4.0

Schließlich beschäftigt sich das Handwerk auch intensiv mit der Digitalisierung - und ärgert sich, dass in diesem Zusammenhang immer nur von "Industrie 4.0" die Rede ist. "Es gibt auch ein Handwerk 4.0", betont Koller und zeigt auf, welche Chancen die Digitalisierung speziell auch für das Handwerk biete. Sein Lieblingszitat dazu: "Was nutzt die beste Erfindung, wenn es niemanden gibt, der sie einbaut, wartet und repariert?" os