Hofheim — Hart ins Gericht ging SPD-Kreisrätin Susanne Kastner mit dem Vorschlag der "Jungen Liste", den Gelben Sack für den Haßbergkreis einzuführen. Dies sei eine "Schnapsidee", sagte die frühere Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages beim Gesprächskreis "Wir im Haßbergkreis: Chancen, Ziele, Aufgaben" der SPD Hofheim.
Der Gelbe Sack würde die Abgaben für die einzelnen Haushalte im Kreis um etwa 30 Prozent verteuern. Zudem seien die Wertstoffhöfe eingerichtet, ihre Mitarbeiter sorgten zuverlässig für eine umweltgerechte Mülltrennung. Genau diese Vorsorge für eine saubere Umwelt stelle die "Junge Liste" aufs Spiel, so Kastner weiter.

Erzieherinnen besser entlohnen

Kastner sprach sich bei dem Treffen aus aktuellem Anlass für eine bessere Bezahlung der Erzieherinnnen im Haßbergkreis aus. "Auch in Leipzig streiken die Kindergärten und eigentlich müsste ich dort meine Enkel hüten. Aber wir haben Glück, die Eltern helfen sich untereinander aus." Im Haßbergkreis seien die Kindergärten überwiegend in der Hand kirchlicher Träger. Da hätten die Beschäftigten kein Streikrecht, obwohl sie aus staatlichen Mitteln finanziert werden, so Kastner. Aber die Ansprüche an die Erzieherinnen und der bürokratische Druck seien in Stadt und Land vergleichbar. Nach ihren Gesprächen mit Erzieherinnen ist ihr klar: Die Arbeit hat auch bei uns zugenommen, das Einkommen nicht. Es bewege sich oft an der unteren Einkommensskala.
"Jeder, der Kinder hat, weiß, wie anstrengend es sein kann, wenn man zwei oder drei Kinder beisammen hat. In den Kindergärten sind die Gruppen häufig sechsmal so groß. Gewiss, sie sind Profis, die allermeisten sind mit Herz und Engagement für unsere Kleinen da." Deshalb, so Susanne Kastner, werde es Zeit, dass die Berufe der pädagogischen Fachkräfte endlich aufgewertet werden.
Unter dem Beifall der Teilnehmer des SPD-Gesprächskreises erklärte Susanne Kastner: "Wenn die streikenden Kolleginnen und Kollegen Erfolg haben, dann ist es auch ein Erfolg für unsere Erzieherinnen im Haßbergkreis. Dann besteht Aussicht, dass auch ihre Arbeit nicht nur in Sonntagsreden gewürdigt wird, sondern sich die Wertschätzung auch auf ihrem Gehaltskonto und ihrer Eingruppierung zeigt."
Gefragt nach der Situation der Krankenhäuser im Haßbergkreis entspannte sich die Miene von Susanne Kastner: "Das Krankenhaus in Hofheim ist mit seinen Belegärzten für Hofheim und seine Region ein großer Gewinn. Das Krankenhaus Hofheim ist auf einem sehr guten Weg." Wenn das Krankenhaus in Haßfurt momentan "schwächelt", dann sei es die Folge notwendiger Baumaßnahmen, die sich in der nahen Zukunft auszahlen werden. Susanne Kastner nennt als Beispiel hierfür den Aufbau der Geriatrie.

Unnötige Kostentreiber

Ihrer Nachfolgerin im Bundestag, Sabine Dittmar, hat sie vorgeschlagen, sich veralteter Vorschriften über die Organisation von kommunalen Krankenhäusern anzunehmen, die nur unnötig Kosten treiben. Als Beispiel nennt Kastner die fragwürdige Bestimmung, dass sowohl in Ebern und Haßfurt jeweils ein Chefarzt bezahlt werden müsse. "Hier müssen die Strukturen der Krankenhausorganisation sorgsam überdacht und angepasst werden." red