Wohin soll sich der Ort entwickeln? Antwort auf diese Frage gab dem Gemeinderat eine Machbarkeitsstudie von Matthias Rühl. Diese Überlegung treibt den Rat schon seit Beginn der Amtsperiode um. Denn es herrscht eine große Nachfrage - aktuell 42 Anfragen nach Bauland, trotz Quadratmeterpreisen von bis zu 300 Euro.
Das macht die Nähe zu Erlangen und Nürnberg. Röttenbach liegt im suburbanen Raum. Nicht erst heute, sondern auch schon in den 70er-Jahren zogen viele zu und bebauten große Grundstücke. Deshalb ist Röttenbachs Bevölkerung ziemlich alt. Ungefähr ein Drittel ist über 65 Jahre, mit steigender Tendenz. Einer Überalterung kann aber nur durch den Zuzug junger Familien begegnet werden. Dem steht aber nur ein knappes Angebot an Bauland und Mietwohnungen gegenüber. Zudem geht die Tendenz zu mehr Wohnfläche pro Person, sodass trotz heute schon leicht sinkender Bevölkerungszahlen weiter Bauwünsche bestehen.
Rühl plädierte für ein moderates Wachstum. Nur im Westen der Gemeinde gibt es überhaupt noch geeignete Flächen, insgesamt für 250 Bauplätze. Dafür gibt es an die zehn Hektar Lücken im Wohnbaubestand: Alte Anwesen mit großen Nebengebäuden, Grundstücke, in denen ursprünglich zwei Baurechte existierten, aber nur ein Haus gebaut wurde, freigehaltene Grundstücke und so weiter.
"In Zukunft sollte Röttenbach durch Bauzwang, also eine Frist für eine Bebauung, dem entgegenwirken", riet Rühl. Er zeigte an zahlreichen Beispielen auf, wo allein durch Nachbesserung alter Bebauungspläne Wohnraum geschaffen werden könnte. Dieser Aufgabe will sich der Rat vorrangig annehmen.
Mehr Bauland bedeutet mehr innerörtlichen Verkehr. Die beiden Hauptzufahrten nach Westen, der Kaibachweg und die Klebheimer Straße münden beide in die viel befahrene Hauptstraße, die als Staatsstraße auch den Durchgangsverkehr aufnimmt. Diese Problematik will der Gemeinderat durch ein Verkehrsgutachten näher beleuchten.
Denn Rühls Gedanke einer Westumgehung für Röttenbach und Hemhofen erschien den meisten Ratsmitgliedern als eine reine Vision. In den 70er-Jahren soll eine reale Chance bestanden haben, die aber von den landwirtschaftlichen Grundstückseigentümern abgelehnt wurde.
"Eine schöne neue Welt", gab denn auch Lothar Saulich (SPD) dem Vortrag als Überschrift. "Es bleibt nicht allzu viel von Röttenbachs Flur übrig. In zwei, drei Generationen wurde fast alles bebaut." Wahl bremste diese Kritik mit dem Hinweis, dass keineswegs in absehbarer Zeit alle 250 Baugrundstücke entstünden. "Es geht nicht darum, den Westen vollzubauen, aber wir wollen keinen toten Ort, keine leeren Kindergärten."
Christopher Warter (FW), eines der jüngsten Ratsmitglieder, sieht Röttenbach gar "auf dem Weg zu einer Rentnergemeinde". Ihm und seinem Alterskollegen Patrick Prell (FW) ist daran gelegen, dass die jüngere Generation im Ort bleiben könne. Das komplexe und unterschiedlich zu sehende Thema wird ab Januar in den Fraktionen zusammen mit dem Bürgermeister besprochen.