Überrascht wurde Coburgs Landrat Michael Busch (SPD) von der Zahl der Interessierten Rödentaler, die gekommen waren, um die künftige Notunterkunft für Flüchtlinge zu besichtigen. Schon ab der kommenden Woche könnten dort bis zu 300 Personen untergebracht werden.
Dass die Räume der ehemaligen Firma Living Glass allerdings wirklich einmal ausgebucht werden könnten, nimmt Busch nach den bisherigen Erfahrungen nicht an. "In der Frankenhalle in Neustadt, die wir bisher genutzt haben, hätten bis zu 200 Personen untergebracht werden können. Aber es waren nie mehr als 120 bis 130 gleichzeitig da", sagte er Anwohnern auf deren Fragen. Fragen, aus denen Sorgen und Ängste deutlich wurden. Von der oberen Etage könnten Flüchtlinge direkt in die Kinderzimmer der Nachbarn schauen. Werde denn noch ein Zaun errichtet zwischen Unterkunft und Nachbarhäusern und würden die Flüchtlinge denn auch immer begleitet, wenn sie die Unterkunft verlassen - wollten die Leute wissen.
Manche Sorgen konnten rasch entkräftet werden. Andere nicht. Denn eines musste Michael Busch klar sagen: "Das sind ganz normale Gäste, die sind nicht eingesperrt." Allerdings sei die Notunterkunft nur ein erstes Quartier, in dem die Leute für wenige Tage bleiben, um registriert zu werden, ehe sie auf Einrichtungen irgendwo im Bundesgebiet verteilt werden. "Es ist nach der Flucht das erste Dach, dass sie über dem Kopf haben. Die haben andere Sorgen, als los zu gehen und etwas zu stehlen", sagte Busch.
In all den Wochen, in denen die Frankenhalle in Neustadt als Unterkunft genutzt wurde, habe es keine Probleme gegeben, betonte der Landrat. Günther Kiesewetter stellte für die Polizeiinspektion Neustadt klar, dass es während dieser Zeit keinen Fall gab, bei dem es zu Beleidigungen, Körperverletzungen oder Diebstählen in Zusammenhang mit Asylsuchenden gekommen sei.
Die Mitarbeiter der eingesetzten Sicherheitsfirma BOS unterstrichen das aus ihrer Sicht. Sie werden in Rödental rund um die Uhr in der Unterkunft mit bis zu sieben Leuten präsent sein. Sollte es Probleme geben, könnten die Nachbarn auf sie zugehen. Ein Mitarbeiter von BOS wird immer direkt am Eingang als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Die Bedingungen in der Unterkunft sind günstiger als in der Frankenhalle, sagte der Landrat. Es gibt abgetrennte Küchenbereiche für das Catering-Unternehmen, Arztzimmer und Büros für die Security. Für Frauen und Familien mit Kindern stehen geschlossene Zimmer zur Verfügung.


Helfer organisieren sich

In Rödental hat sich bereits ein Helferkreis Asyl gebildet, der die ehrenamtliche Unterstützung organisiert. So wird in den früheren Garagen des Betriebsgeländes eine Kleiderkammer eingerichtet.
Der Landrat betonte allerdings, dass Sachspenden nicht zur Unterkunft gebracht werden sollten. "Wir bekommen sonst erfahrungsgemäß vieles, das gut gemeint ist, das wir aber nicht oder momentan nicht brauchen", erklärte er. Inzwischen hat sich im Coburger Land bereits eine Initiative gegründet, an die man sich wenden kann. Per Internet wird dann schnell und zielgerichtet das beschafft, was gerade fehlt.
Für zwei Jahre hat der Landkreis das Gebäude gemietet, das von der Firma Schopf und Teig jetzt für die Aufnahme von Flüchtlingen hergerichtet wurde. Nach Ablauf des Mietvertrags möchte das Unternehmen die ehemaligen Betriebsgebäude abreißen und dann an der Stelle Wohnbebauung errichten. Bis dahin hofft der Landkreis, keine Notunterkünfte mehr für Flüchtlinge zur Verfügung stellen zu müssen. Nach den Worten des Landrats bemühe sich die Politik auf Landes- und Bundesebene um eine Reduzierung des Zustroms.